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Faure Gnassingbé auf einem Wahlkampfplakat in Lomé

Roman

„Lomé – Der Aufstand“: Die sich die Hände schmutzig machen

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„Lomé – Der Aufstand“, ein politischer Kriminalroman von Christoph Nix.

Leichter als andere literarische Formen kann der Spannungsroman von dem erzählen, was in einer Gesellschaft schiefläuft. Gewalt, aber auch white collar crime sind ohnehin seine Themen, dazu können politische Intrigen kommen. Unzählige Varianten gibt es, auf die der Krimi gesellschaftskritisch und politisch sein kann. Er kann den Finanzsektor und seine Zynismen gegen das Elend der Unterschicht spiegeln. Er kann diskrete Strippenzieher in den Mittelpunkt stellen, die sich zumindest nicht selbst die Hände schmutzig machen, oder die brutalen Machthaber eines diktatorischen Regimes.

Kenntnisse über Afrika

Christoph Nix, Theaterintendant in Konstanz, spielt erneut seine Kenntnisse über Afrika aus, wo er mit Theaterleuten aus Uganda, Togo, Malawi, Burundi und Ruanda zusammenarbeitete. „Lomé – Der Aufstand“ erzählt knapp, mit schnellen Sätzen von Togo, der seit Jahrzehnten dort herrschenden Familie und der Komplizenschaft deutscher Politiker und Institutionen. „Natürlich sind alle Personen, bis auf die Ereignisse um Heinrich Lübke und Sylvio Olympio frei erfunden“, schreibt Nix. Nun ja, der derzeitige Präsident des Landes, Faure Gnassingbé, heißt hier Felix Nanguibe. Und die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung ist sogar die Hanns-Seidel-Stiftung.

Buchinfo

Christoph Nix: Lomé – Der Aufstand. Roman. Transit, Berlin 2020. 160 S., 18 Euro.

Ein Theaterleiter namens Michael Menz kommt nach Lomé, einer seiner Schauspieler wurde dort ermordet und es gilt, ihn nach Hause zu holen und zu beerdigen. Der eher ängstliche Hans hatte sich von Menz überreden lassen, hatte ihm schließlich geglaubt, dass Togo „ein Land für Afrika-Einsteiger“ ist. Man muss nicht betonen, dass Menz sich Vorwürfe macht und den Mord aufgeklärt sehen will.

Widerstand in Togo gegen die Herrschaft

Nix hat das Bedürfnis, die Geschichte zu rekapitulieren, etwa einen Besuch Heinrich Lübkes in Togo, etwa die Ermordung des rechtmäßig gewählten Staatspräsidenten Sylvanus Olympio. Dass der Roman dabei nicht zu oberlehrerhaft wird, das liegt an der Sparsamkeit der Erzählung. Die Kapitel sind kurz, mit Menz bewegt man sich zügig von hier nach da, vom Goethe-Institut in die Armenhütte. Und im Hintergrund steht immer eine gewisse Bedrohung, sei es, dass Menz’ Gepäck im Hotel durchwühlt wird, sobald er es zum ersten Mal verlässt, sei es, dass ein Taxifahrer namens Pierre ganz offenbar kein Taxifahrer ist – viel zu geschmeidig, viel zu durchtrainiert.

Noch immer ihre Finger im Spiel haben die ehemaligen französischen Kolonialisten, noch immer geht es ihnen ums Geschäftemachen. Christoph Nix ist auch da keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt in einem Roman, der seine Realitätsnähe nicht verbirgt. Ist diese Realitätsnähe wahrscheinlich der vorrangige Grund, aus dem „Lomé – Der Aufstand“ geschrieben wurde.

Ach ja, der Aufstand, von dem der Titel spricht: Nix erzählt auch davon, wie sich in Togo Widerstand formiert gegen die Herrschaft von Felix Nanguibe/Faure Gnassingbé, Nachfolger seines zuvor fast vier Jahrzehnte herrschenden Vaters. Viel Hoffnung, dass Studenten- oder andere Proteste schnell zum Erfolg führen werden, macht uns der Autor allerdings nicht.

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