„About Sex“

Literaturfestival Berlin: Baldwin, Beat und Budapest

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Das Internationale Literaturfestival in Berlin denkt nach „About Sex“.

Die Kollegin, die zu spät kam, weil sie sich den falschen Termin zur Pressekonferenz notiert hatte, musste dann noch einmal eine Frage zum Sex stellen. Wie es denn komme, dass das 19. Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) sich den Schwerpunkt „About Sex“ gewählt habe? Nun ist es nur ein Komplex unter vielen, Programmleiterin Simone Schröder hatte eingangs betont, dass das ilb üblicherweise kein zentrales Thema habe. Die Fragen des Sprechens über Sex und der machtbestimmte Umgang mit Geschlechterverhältnissen lägen doch spätestens seit der MeToo-Debatte und der Untersuchung der Übergriffe in der katholischen Kirche auf der Hand, sagte der Direktor des Festivals, Ulrich Schreiber.

So wird es am Wochendende vom 14., 15. September um die Kulturgeschichte des Sex, um die Liebe in Zeiten der künstlichen Intelligenz, um Begehren, Missbrauch und käufliche Liebe gehen. Einmal kommen auch schöne und misslungene Sexszenen zu Gehör. Reyhan Sahin, besser bekannt als Rapperin Lady Bitch Ray, liest aus ihrem Buch „Yalla, Feminismus“, das erst eine Woche später im Handel sein soll. Und Eileen Myles, im Programmheft als „Rockstar der Gegenwartslyrik, feministische Ikone und Pionier*in der queeren Literatur“ bezeichnet, liest aus dem autobiografischen Buch „Chelsea Girls“ über das New York der Siebziger mit Warhol, Ginsberg und Mapplethorpe, dessen Erscheinen auf Deutsch erst für nächstes Jahr geplant ist. Myles unterstützt auf Twitter die israelkritische BDS-Bewegung. Vielleicht wird das noch für ganz andere Debatten sorgen.

Wie steht es in Brasilien?

Denn ein Angebot zur Diskussion will das Festival ja zuallererst sein. Wird Jörg Fauser (1944–1987) zu Recht als Beat-Literat made in Germany bezeichnet? Welchen Einfluss hatten die Essays von James Baldwin (1924–1987) auf den Kampf gegen den Rassismus in den USA? An drei Abenden, übertitelt als „Visionen von Budapest“, reflektieren Autoren über die Stadt und das Schreiben in ihr. Und wie es in Brasilien unter Bolsonaro weitergeht, wird an zwei Abenden diskutiert.

Eröffnet wird das Festival mit einer Rede von Petina Gappah aus Simbabwe. Deren Titel ist lang, deutet aber außerdem auf Themen der folgenden Tage: „Auf Reisen mit den Vergessenen, im Andenken an die Verstorbenen: Erzählungen vom gestrigen Europa und dem Afrika von heute“. Lars-Christian Koch, Direktor des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, begrüßte jedenfalls am Dienstagvormittag in der James-Simon-Galerie, dass das ilb sich auch wieder mit dem kolonialen Erbe beschäftigen wird. Auch direkt an diesem Ort. Denn wegen der Renovierung des Hauses des Berliner Festspiele werden nun einige der großen Lesungen und Diskussionen in Berlins schöner Mitte stattfinden.

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