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Tanja Dückers

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Literaturexpertinnen geben Tipps zur Buchmesse ... Tanja Dückers

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Die Schriftstellerin Tanja Dückers kommt dieses mal aus Belgrad zur Buchmesse und fragt sich, warum es in der Gesellschaft so ein starkes Bedürfnis nach einer kollektiven Identität gibt.

Tanja Dückers, 1968 in West-Berlin geboren, studierte an der Freien Universität Berlin und an der Universiteit van Amsterdam Germanistik, Niederländisch, Nordamerikastudien und Kunstgeschichte. Tanja lebt als freischaffende Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Journalistin mit ihrer Familie in Berlin.

Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Neben weiteren Initiativen unterstützt sie die Menschenrechtsorganisation für Frauen „Terre des Femmes“ und ist eine der 100 Initiatorinnen des Aktionsbündnisses „Wir machen das“, das sich für Toleranz und die gemeinsame Gestaltung eines Zusammenlebens von Geflüchteten und Alteingesessenen einsetzt.

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Was bringt Dich persönlich auf die Buchmesse? Ich werde nur auf Stippvisite sein, da ich eigentlich derzeit mit einem Stipendium des Goethe-Instituts und der serbischen Schriftsteller-Assoziation „Krokodil“ in Belgrad bin. Für mich ist es dieses Mal entspannt, da ich mit keinem neuen Titel auf der Messe vertreten bin  - ich bin aber sehr an Georgien, überhaupt an osteuropäischen Literaturen interessiert.

Welche Veranstaltung sollte man auf keinen Fall verpassen? Ich bin gespannt auf den Preis, den die unabhängigen Buchhandlungen verleihen: „Das Lieblingsbuch der Unabhängigen - Preisverleihung“, Frankfurt Pavilion, Agora, 11. Oktober, 15-16 Uhr.

Bei welcher Veranstaltung kann man mit dem Gastland Georgien auf Tuchfühlung gehen? Diese bekannten und auftrittsstarken georgischen Poeten sind sicher einen Besuch wert: Zviad Ratiani & Shota Iatashvili, Reihe „Voices – Poetry“, Guest of Honour Pavilion / Georgian Characters – Hauptbühne (Forum, Level 1), 12.10.2018, 13.00-13.30 Uhr.

Wo kann man eine schöne Pause machen und ein Buch lesen? Den ganzen Tag künstliches Licht schlägt aufs Gemüt. Also mindestens einmal am Tag raus und ein paar Schritte gehen, ob nun mit Buch oder ohne.

Wo gibt es die beste Party und wie kommt man rein? Muss ich noch überlegen. Sagen wir mal so, die Georgier haben sehr guten Wein.  Ich bin jedoch eher ein Chocoholic. Ist Georgien berühmt für gute Schokolade? Hm. So betrachtet freue ich mich mal auf die Schweiz als Gastland. 

Welches Thema treibt Dich um? Die Frage danach, wie genau sich der Begriff „Identität“ beim Menschen konstituiert, warum offenbar oft ein starkes Bedürfnis nach einer kollektiven Identität (wie beim Nationalismus) besteht, warum sich das Individuum nach dieser Art von psychischer Grenzüberschreitung und auch Selbstaufgabe hin zum Kollektiven sehnt. Die sogenannte kollektive Identität ist immer etwas Phantasmagorisches, etwas Halbwahres, etwas fälschlich Verallgemeinertes und Verzerrtes. Etwas Gefährliches.

Wie findet es Ausdruck? Derzeit in Romanform. Aber das dauert. Eines meiner Lieblingstiere ist die Schnecke. Ein anderes das Eichhörnchen, das für den Winter Vorräte anlegt. Was auch immer ich damit sagen möchte.

Was treibt Dich an? Optimismus, Empathie, das Wissen, nicht allein zu sein.

Warum das geschriebene Wort? Mir gefällt das Intime und Private am Schreiben wie am Lesen. Ich glaube, dass die „Übersetzungsleistung“, die Schreibende wie  Lesende unternehmen müssen, um Gefühle in Sprache zu transferieren bzw. „zurückzuübersetzen“, den Affekt etwas lindert – man schreibt doch nicht ganz so schnell wie man ein Foto „schießt“ – und darin sehe ich eine Chance, ein Innehalten, eine Reflektion, einen wohltuenden Abstand zu sich selbst.

Zur Reihe: Die Website der Frankfurter Buchmesse macht es einem nicht gerade einfach. Beim Suchen nach Veranstaltungen überkommt einen raumgreifende Verpassangst. Was, wenn man am Ende eine total langweilige Lesung erwischt, fades Essen bestellt, auf einer Party landet, wo sich gerade mal drei Leute die Beine in den Bauch stehen, mit denen man keinen Smalltalk führen kann, weil man die spannendsten Bücher nicht gelesen hat und nichts über das Gastland weiß? Wir fragen Literaturexpertinnen und jahrelange Buchmesse-Gängerinnen nach Insider-Tipps, um die Katastrophe abzuwenden. In der Literaturszene sind weibliche Stimmen nach wie vor unterrepräsentiert. In dieser Reihe befragen wir daher ausschließlich Frauen mit ganz unterschiedlichen Biografien und Berufen. 2018 ist auch das Jahr der Frau.

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