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Wilfried F. Schoeller bei einer Lesung in Berlin. 

Ehemaliger Literaturchef des HR

Wilfried F. Schoeller ist tot

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Der ehemalige Literaturchef des Hessischen Rundfunks, Wilfried F. Schoeller, stirbt nach langer Krankheit in Berlin. Nobelpreisträgerin Herta Müller äußert sich zum Tod des Literaturkritikers.

Der Autor, Literaturkritiker und Honorarprofessor Wilfried F. Schoeller ist nach langer Krankheit in Berlin verstorben. 

Schoeller war ehemaliger Literaturchef des Hessischen Rundfunks sowie Mitbegründer der Kultursendung „Titel, Thesen, Temperamente - ttt“. Zehn Jahre lang moderierte er im HR die Sendung „Bücher, Bücher“, im Jahre 2000 wurde er Honorarprofessor für die Literatur des 20. Jahrhunderts an der Universität Bremen. 

Nur ein kleiner Auszug seines umfangreichen Schaffens: Schoeller zeichnete für viele Literaturdokumentationen im TV verantwortlich. In Barcelona, wo er auch zuhause war, forschte er in Archiven über den Spanischen Bürgerkrieg, entdeckte zahlreiche Ton- und Filmdokumente, die er in seinen Features zum Thema erstmals einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machte.

Wilfried F. Schoeller lebte in Frankfurt und Berlin 

Er verfasste zahlreiche Schriften, darunter Bücher über Theodor W. Adorno und Michail Bulgakow. Vielfach veröffentlichte er im Feuilleton, darunter auch in der Frankfurter Rundschau, wo 2009 sein Beitrag zu dem Schriftsteller und Bestsellerautor B. Traven erschien. Zudem war Schoeller Herausgeber des Gesamtwerks von Oskar Maria Graf. 

Von 2002 bis 2009 war er Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland. 

Die deutsche Nobelpreisträgerin Herta Müller äußerte sich zum Tod Schoellers: „Als ich 1984 zum ersten Mal in Berlin beim Rotbuch Verlag war, hatte ich ein Interview mit Wilfried F. Schoeller. Ich erzählte von der Angst und der Verelendung in der rumänischen Diktatur, und der Journalist Wilfried F. Schoeller begann zu weinen. Ich habe so etwas kein zweites Mal erlebt.“

Der Gründer des weissbooks.w-Verlags, Rainer Weiss, sagte: „Er war einfach ein sehr feiner Mensch. Nach Peter Hamm ein weiterer großer Literaturkritiker und die Literatur Liebender, den wir vermissen werden.“ Auch der ungarische Schriftsteller und Historiker György Dalos erinnert sich: „Zum ersten Mal in Deutschland habe ich 1990 an einem Fernsehgespräch teilgenommen. Es war "Bücher! Bücher!" mit Wilfried Schoeller. Ich hatte enormen Lampenfieber. Dank Wilfrieds konzentrierten Ruhe fühlte ich allmählich so frei, als hätte keine Kamera zwischen uns gegeben.“

Wilfried F. Schoeller lebte und arbeitete in Berlin und Frankfurt am Main. Er verstarb im Alter von 78 Jahren.

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