Die städtische Literaturbeauftragte Sonja Vandenrath.
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Die städtische Literaturbeauftragte Sonja Vandenrath.

Buchmesse in Frankfurt

Literatur im Römer berühmt-berüchtigt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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„Literatur im Römer“ gibt es seit 1975 und ist längst berühmt-berüchtigt. Zum Programm gehören zwei spannende Abende mit 16 Autoren.

Alles beginnt mit der „Büchertram“. Sie ist eine Idee des damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD) und fährt 1973 während der Frankfurter Buchmesse durch die Stadt. In der Straßenbahn sitzen Schriftsteller wie Horst Bingel und Gerhard Zwerenz und lesen und diskutieren mit dem Publikum im Wagen. Das kommt gut an. 1974 legt während der Buchmesse erstmals der „Literaturdampfer“ vom Eisernen Steg ab. An Bord sind Künstlerinnen und Künstler, mit denen die Leute ins Gespräch kommen können – dazu zählen Lilli Palmer, Franz Xaver Kroetz und Rainer Werner Fassbinder, damals am Theater am Turm (TAT) engagiert.

Doch erst 1975 finden die Lesungen ihren festen Ort: die Römerhallen. Im Rathaus wird fortan der „Literatur-Circus“ veranstaltet, zwischen den Lesungen führen tatsächlich Zirkus-Artisten ihre Künste vor. Aus diesen Anfängen geht die mittlerweile älteste literarische Live-Veranstaltung in Deutschland hervor: Literatur im Römer. Die Zirkus-Artisten sind längst verschwunden, Raum ist jetzt nur noch für Autorinnen und Autoren und ihre Bücher.

Die Atmosphäre von Literatur im Römer ist längst berühmt-berüchtigt. Drangvolle Enge, Lachen, Tumult, Beifall, auch Buh-Rufe und Pfiffe, wenn jemand beim Publikum durchfällt. Wer sich als Schriftsteller auf dieses Forum einlässt, muss gute Nerven besitzen.

Die städtische Literaturbeauftragte Sonja Vandenrath hat für die Abende am 19. und 20. Oktober ein starkes Programm mit 16 Autorinnen und Autoren zusammengestellt. Am ersten Abend kommt zum Beispiel Marlene Streeruwitz, die durchaus umstrittene Grande Dame der österreichischen Literatur, mit ihrem neuen Roman „Yseut“. Yseut Isabelle Lucas, geborene Köbrunner, tritt darin eine Reise nach Italien an, das sie lange nicht besuchte und das sich ziemlich verändert hat ...

Auf eine Reise anderer Art schickt Eugen Ruge seinen Helden in der überbordend-ironischen Geschichte „Follower“. Er schreibt die DDR-Familiensaga aus „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ fort, für die er 2011 den Deutschen Buchpreis bekommen hatte. Es geht um eine Zukunft, in der die Welt fast nur noch virtuell zu sein scheint. Ruge liest in den Römerhallen am 20. Oktober. Eine spannende Frage wirft am gleichen Abend Leon de Winter mit seinem Roman „Geronimo“ auf: Wurde Osama bin Laden tatsächlich so getötet, wie es der offiziellen Darstellung der USA entspricht? Diese Lesung verspricht kontroverse Diskussionen.

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