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Literatur im Römer: Wo man sich sehr flugs auskennt

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Von: Judith von Sternburg

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Theresia Enzensberger.
Theresia Enzensberger. © Imago/teutopress

Das traditionelle „Literatur im Römer“ mit großen und kleinen Fragen

Ohne die Literatur im Römer ist es auch keine echte Buchmesse, seit Jahrzehnten (ernsthaft, seit 1975) geht das so, und bereits Menschen mittleren Alters kennen es nicht anders. Heute gehört die Literatur im Römer, mittwochs und donnerstags, zum Lesefest „Open Books“, aber nur hier will man vorab ein Frankfurter Würstchen verschlingen und einen Apfelsaft dazu trinken.

Es gibt auch sonst keinen Grund, nostalgisch zu werden. Es ist sofort wieder alles total überfüllt und drangvoll, und für erschöpfte Seelen kommt das wirkliche Literatur-im-Römer-Gefühl in der Nebenhalle auf, wo die Lesungen auf eine Leinwand übertragen werden. Was daran so toll ist, ich verstehe es auch nicht. In der Nebenhalle ist es ebenfalls voll, aber nicht ganz so drangvoll.

Speed-Dating für alle

Am Mittwochabend versuchen Anna Engel und Gerwig Epkes, die Übersicht zu bewahren, und während man womöglich borniert denkt: Junge, jetzt hör doch mal auf, in der Geschichte herumzustochern, jetzt lass doch mal die Theresia Enzensberger ein bisschen was am Stück sagen, muss man zugeben: Mit am Biertisch ein angeregtes Leserinnenduo, das hinter „Auf See“ (Hanser) direkt zwei Ausrufezeichen macht. Literatur im Römer ist insofern wirklich der lange Arm der Buchmesse, ein Speed-Dating für alle, die rasch ein paar Bücher kennenlernen und am besten gleich kaufen wollen, dargeboten in einem Viertelstündchen von der Autorin, vom Autor. Bestimmt anstrengend, aber auch eine Chance.

Mit Enzensberger geht es in einen gruseligen, aber nicht abwegigen (weiblichen) Zukunftsentwurf, mit Julia Wolf und den „Alten Mädchen“ (Frankfurter Verlagsanstalt) in eine Reise zurück in eine (weibliche) Familiengeschichte. Eine Welt, in der Wörter wie „Anmut“ und „Ertüchtigung“ existieren, aber behaglich ist das alles nicht.

Dazu ein Geheimnis

Norbert Gstrein geheimnist mit Blick auf „Vier Tage, drei Nächte“ (Hanser) so intelligent herum, dass praktisch nichts anderes übrigbleibt, als das Buch zu kaufen. Martin Kordic bezaubert mit dem Bekenntnis, er habe eigentlich einen anderen Roman schreiben wollen, dann habe er vor dem weißen Blatt gesessen und die ersten drei Sätze von „Jahre mit Martha“ (S. Fischer) geschrieben.

Auch Shelly Kupferberg erzählt lebhaft von ihrer Familienrecherche für „Isidor“ (Diogenes) und davon, wie es ist, wenn alles, was man ist, hat und denkt, vom Holocaust überrollt wird. Norbert Scheuer blickt in „Mutabor“ (Beck) wie immer auf die Dinge von der Eifel aus, „die einzige Gegend, die ich wirklich kenne“. Robert Menasse wird gefragt, ob er vom Thema Europa denn gar nicht loskomme, und macht darauf aufmerksam, dass das bei einer Trilogie, deren zweiter Teil „Die Erweiterung“ (Suhrkamp) soeben erschienen ist, eben einmal so sei. Hierbei fällt aber auch das schillernde Zitat: „Geschichte ist der größte historische Irrtum.“

Nur in der Zeitung ist noch weniger Platz als bei Literatur im Römer, und es ist daher leider nicht möglich, das hier näher auszuführen. Aber demnächst.

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