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Safiye Can liegt Lyrik am Herzen und das vermittelt sie auch – unter anderem an Schulen.

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Safiye Can: Liebesgedichte und Politik

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Die Offenbacher Autorin Safiye Can will nicht in der Schublade „Migration“ feststecken.

Ich bin mittlerweile angekommen im Literaturbetrieb“, erzählt Autorin Safiye Can dem Pulk von Besuchern am Stand „Literatur in Hessen“, nachdem sie mit einem Gedicht zum Thema Migration ihre einführende Lesung beendet hat. Daher könne sie sich mittlerweile aussuchen, ob und wann sie zu diesem Thema spreche und schreibe. Aber auch sie habe mit der Schublade „Migration“ am Anfang ihrer Karriere zu kämpfen gehabt: „Für dieses Thema ist man als Autor mit einem fremdländisch klingenden Namen gut genug.“

Dabei wirft Can dem deutschen Literaturbetrieb keinen Rassismus vor, sondern stellt lediglich fest, dass es sich dabei weiter um ein Problem handele. „Wir kämpfen“, sagt sie, „wir schreiben über Themen wie Heimat, aber eben nicht nur. Sondern auch Liebesgedichte.“ Letztere gehören zur Spezialität der Offenbacher Autorin und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen trägt sie die kurzen Stücke ihrem aufmerksamen Publikum vor.

Cans Werke erscheinen häufig nicht bloß als geschriebenes Wort, sondern auch als visuelle Gedichte, auf dem Papier in Form gebracht oder als Wortcollagen, eine Art der konkreten Poesie, bei der sie Ausschnitte aus Zeitungen auf dem Papier arrangiert. „Das Gedicht sagt mir, dass es noch nicht fertig ist, sondern, dass es von mir noch in eine bestimmte Form gebracht werden will“, so Can.

Einige ihrer aktuelleren Collagen entstanden während ihres Aufenthalts im hessischen Laubach, wo die Autorin mit dem „Land in Sicht Stipendium“ des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft und Kunst einen Monat verbrachte. Definitiv ein Unterschied zur ihrem sonstigen Pflaster, aber für Can ein willkommener. „Ich habe eine Wertschätzung von dieser Stadt bekommen und das bedeutet mir sehr viel.“ Vor Ort in Laubach arbeitete die Autorin auch an Schulen, wo sie mit Schülern und Schülerinnen über Lyrik sprach und Lesungen gab. Viel zu häufig hätten Kinder schon in der Schule schlechte oder gar keine Erfahrungen mit Lyrik gemacht, das wolle sie ändern. Daher veranstaltet Can seit fünfzehn Jahren regelmäßig Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche.

Unterdessen lebt und arbeitet die Autorin wieder in Offenbach, in Andenken an ihre Zeit in Laubach hängt nun aber ihr Gedicht „Der Garten“ im dortigen Schlosspark.

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