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Massenweise Bücher. Jedes ist anders gestaltet - oder auch nicht.
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Massenweise Bücher. Jedes ist anders gestaltet - oder auch nicht.

Kolumne zur Buchmesse

Liebes Buch!

Es gibt keine Auseinandersetzung über Buchgestaltung. Ebooks werden nicht von Buchgestaltern gemacht, sondern von Programmierern. Es wird Zeit, dass man Buchgestaltungsrezensionen macht.

Von Mely Kiyak

Unter schreibenden Kollegen hat jeder eine anekdotenreiche Geschichte über die Herstellung eines seiner Bücher parat. Wer ein halbwegs schön gemachtes Buch möchte, benötigt ein robustes Gemüt, um im Verlagsapparat erhört zu werden. Nicht einmal berühmte Autoren, die ihrem Verlag Überleben oder Prestige sichern, bekommen einen Buchkünstler spendiert.

Ein Hartcover kostet im Laden viel Geld und ist aus gestalterischer Sicht nichts wert. Bei 100.000 Neuerscheinungen im Jahr ist sicher nicht jeder Text atemberaubend und verdient eine kluge Gestaltung. Aber jeder kluge Autor sollte doch ein wertvoll gestaltetes Buch bekommen. Etwas wertvoll zu machen, heißt nicht, Geld in die Sache reinzustecken. Es gibt kaum Bereiche, in denen Verlage bereit sind, Kreativität zu erlauben. Garten-, oder Kochbuchliteratur (nicht Kochbücher und Gartenratgeber!) sind herrlich ausgefallen gestaltet, obwohl qualitatives Essen und Gärtnern in diesem Land keinen Stellenwert haben. Man denkt wohl, wer sich für Kulinarik interessiert, ist ein ästhetisch anspruchsvoller Leser. Wer aber einen Text über Wolkenbilder und Meteorolgie liest, hat doch auch Augen und Sinnlichkeit im Leib!

Die Entmachtung der Buchgestalter

Es gibt keine Auseinandersetzung über Buchgestaltung. In den Kunstbuchhandlungen gibt es ein paar stupide Bilderbücher über Buchstaben. Schriften haben eine Wirkung, es gibt eine Psychologie der Buchstaben, sie stehen im Kontext von Markengeschichte, sie sind kulturell unterschiedlich konnotiert. Darüber benötigt es Texte ohne Bebilderung. Der öffentliche Raum ist das beste Museum für zeitgeschichtliche Typografie und dessen Niedergang. Einfach die Straße entlanglaufen und Augen aufhalten. Auch mal am Kiosk stehen bleiben!

Mit der Erfindung der elektronischen Bücher ist der Berufsstand vollends entmachtet worden. Ebooks werden nicht von Buchgestaltern gemacht, sondern von Programmierern. Es sind die Verlage selbst, die Hersteller, Setzer, Typografen, Illustratoren und Künstler entwertet haben. Verlage glauben, wer sich Grafiker nennt und einen Rechner hochfahren kann, könne automatisch Titel gestalten. Das Können der meisten Grafiker reicht allenfalls aus, um einen Stapel Visitenkarten für den Zahnarzt herzustellen. Der Stempelmacher um die Ecke kennt den Unterschied zwischen der sich ähnelnden Helvetica und Arial – wer noch? Das Impressum verriet einst, wer womit den Satz besorgte, heute wird das Geheimnis gelüftet, zu welchem Konzern der Verlag gehört und wie die Internetadresse lautet.

Her mit Buchgestaltungsrezensionen!

Es wird Zeit, dass man Buchgestaltungsrezensionen macht. Wir sollten Verlage nicht so einfach entkommen lassen. (Auf jedem zweiten Cover sieht man eine verschwommene Frau von hinten. Wer ist sie?) Zuvörderst aber sollte man David Pearson besuchen, drei Bände Gespräche mit ihm veröffentlichen, bevor man sich den Schulbuchverlagen und der damit verbundenen Augenvergewaltigung widmet. Welch' Sadismus gegenüber den Schülern! Seit Jahrzehnten hat sich die Titelgestaltung von Biologie Oberstufe, oder Arbeitsheft Englisch, keinen Deut verändert; jedenfalls nicht zum Besseren.

Übrigens: Die meisten mir persönlich bekannten Menschen, die Bücher gestalten, lesen gar keine Literatur. Sie blättern in Zeitschriften und versuchen sich schön anzuziehen.

Ihre Mely Kiyak

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