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Der australische Fotograf Bill Henson hat ein großes Bildertheater entworfen, in dessen ständiger Nacht die Triebe auf Abfuhr lauern.
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Der australische Fotograf Bill Henson hat ein großes Bildertheater entworfen, in dessen ständiger Nacht die Triebe auf Abfuhr lauern.

Libido vor Kulisse

Bill Hensons wildromantisches "Lux et Nox"

Von Ulf Erdmann Ziegler

Urbane Schmuddelszenerien und adoleszentes Ins-Leben-Geworfensein sind beides Lieblingsthemen der zeitgenössischen Fotografie. Die beiden Klischees miteinander zu verschmelzen, das ist die eher ungewöhnliche Idee des australischen Fotografen mit dem magischen Namen Bill Henson, Jahrgang 1955, der in Melbourne zu Hause ist. Er hat ein großes, schwül schimmerndes Bildertheater entworfen, in dessen ständiger Nacht die Triebe auf Abfuhr lauern. Jugendliche in bläulichem Restlicht erheben sich von pechschwarzen Lagern im Freien oder lassen sich dort nieder, und kontrastiert mit den lethargischen Hedonisten sind Ansichten von feierlich erleuchteten Industrien, Barracken und Büschen. Es ergibt sich der Eindruck einer sinnlichen Autonomie, einer bisher unentdeckten Species, die Henson bei einer Expedition durch die Peripherie entdeckt habe..

Bei näherem Hinsehen gibt es doch ein Bühnenbild, einmal bestehend aus dem Inneren einer Limousine, ein anderesmal aus der Ladefläche eines Pick-up-trucks, und ein Motorrad. Die Figuren, vielleicht ein Dutzend, kehren immer wieder, allein und in Paaren, verwegen und schmal, bekleidet und nackt, bisweilen androgyn. Eine Flasche macht die Runde. Manchmal funkelt ein Augenpaar wie rotes Glas. Die urbane Szenerie ist aufgelöst in blaues Restlicht und in roten Punkten.

Etwas mehr als die Hälfte der Bilder des gewaltigen querformatigen Buchs gehört den Nachtaufnahmen ohne Figuren: Straßen, Bahnanlagen, Brücken, Hafenanlagen, das Ganze durchwuchert von der australischen Vegetation mit ihren weichen Konturen; gelegentlich leuchtet Downtown in der Entfernung auf.

Die Bilderfolge über "Licht und Nacht" arbeitet mit den Mitteln der Verführung und der Suggestion.

Die Choreographie der Figuren bleibt unsichtbar, und die urbane Szenerie wirkt - in einem visuellen Umkehrschluss - nicht gefunden, sondern als Kulisse gebaut. Wie mit einem Zauberstab hat Henson den australischen Puritanismus sich auflösen lassen in einer Traumlandschaft, in der coole Youngster die Entdeckung feiern, entdeckt worden zu sein.

Bill Henson: Lux et Nox. Scalo Verlag, Zürich 2002. 176 Seiten, Farbe, großes Format, geb., 85 €.

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