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Lydia Davis "Kanns nicht und wills nicht"

Lesen will sie von Asseln und Hummeln

Kürzer geht’s nicht: Die silbenfein gemeißelten, das ganze Leben umfassenden Geschichten der großen amerikanischen Schriftstellerin Lydia Davis.

Von Sabine Vogel

Das sagt alles, sagt man manchmal leichtfertig. Die kürzesten und trefflichsten Geschichten in Lydia Davis’ neuem Buch voller Kurzgeschichten umfassen ein ganzes Leben. Die amerikanische Schriftstellerin fand sie in Zeitungen unter den „Lokalen Nachrufen“. Wie auf Grabsteinen gemeißelt stehen da Sätze, die eine Person vollkommen und endgültig charakterisieren: „Albert war tierlieb“. „Robert liebte sein Zuhause.“ „Charlotte war eine begeisterte Quilt-Produzentin und pflückte auch gerne Blaubeeren auf ihrer Farm in Taborton.“

Um solche kostbaren Miniaturen auffinden und schätzen zu können, bedarf es einer Liebe zur Fitzeligkeit und einer nüchternen Besessenheit für den schnörkellos perfekten Satz und die klangvolle Monumentalität des einzigen richtigen Wortes.

Schon lange ein Geheimtipp

Die Präzision der silbenfein abgewogenen Worte und die Reduktion auf ein Minimum an Dramaturgie, Ausstattung und sprachlichem Dekor in ihren eigenen Texten machten die 1947 in Massachusetts geborene Autorin lange zum Schriftsteller-Geheimtipp. Womöglich stand sie aber auch wie Siri Hustvedt eine Weile im Schatten des gutaussehenden Paul Austers, mit dem sie – vor Hustvedt – verheiratet war. Das änderte sich spätestens 2013, als Davis den Man-Booker-Preis für ihr Lebenswerk erhielt.

Davis schreibt Stories, also Geschichten mit winzigen Handlungen, flachgehaltenen Höhepunkten und vielleicht etwas rätselhaften Pointen. Sie schreibt über kleine Ereignisse mit kleinen Pralinenschachteln, über Leute an Bankschaltern, Nachbarn mit Wollteppichen, über Salamis, Männer und tote Hunde und schlechte Romane, über Gefühle, von denen ihr eine Bekannte erzählt hat. 13 ihrer schönsten Miniaturen sind „Nacherzählungen“ von Flaubert, die sie aus Briefen von ihm an seine Freundin komponiert hat. Die mikroskopische Beobachtungsgabe und streng reduktionistische Sprachmeißelei kippt um in die querulatorische Groteske, wenn Davis in pedantischer Komik einen seitenlangen Brief an ein Hotel schreibt, um sich über einen Rechtschreibfehler auf der Menükarte zu beschweren.

123 Miniaturen versammelt ihr zuletzt ins Deutsche übersetzte Buch mit dem etwas trotzig depressiven Titel „Kanns nicht und wills nicht“. In einer konstatiert sie, dass sie mit dem Schreiben aufhören sollte, weil sie zu einer Person geworden ist, die mit dem Leben nicht zurecht kommt. In einer anderen listet sie im Like-Stakkato auf, was sie interessiert und was nicht: Nichts mehr lesen will sie über Jerry Lewis, Pandas in China, Hitler, Londoner Theaterproduktionen, lesen will sie über: Asseln, Hummeln, Übersetzungen aus dem Serbischen, Bier...

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