Buchmarkt

Den Weg zum Lesen weiter ebnen

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Es kaufen wieder mehr Menschen Bücher. Für den Börsenverein ist das eine gute Nachricht. Doch da geht noch mehr.

Von einer Trendwende wollte er nicht sprechen, dazu sei die Entwicklung noch zu frisch. Aber ein Wendepunkt sei es doch, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Donnerstag bei der Vorstellung der aktuellen Branchendaten in Frankfurt. Skipis bezog sich dabei auf eine Zahl, die durchaus aufhorchen lässt: Verlage und Buchhandlungen konnten im vergangenen Jahr rund 300 000 Käuferinnen und Käufer zurückgewinnen.

Damit haben zum ersten Mal seit 2012 wieder mehr Menschen Bücher gekauft. Insgesamt 29,9 Millionen Kundinnen und Kunden gaben im vergangenen Jahr Geld dafür aus.

Es geht also wieder aufwärts mit dem Buchmarkt – und der Börsenverein hat noch eine weitere positive Entwicklung ausgemacht. In den Altersgruppen, in denen es in den zurückliegenden Jahren den größten Käuferschwund gab, wuchs die Zahl im vergangenen Jahr am stärksten: in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen auf 3,3 Millionen (plus 15,2 Prozent) und in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen auf 3,7 Millionen (plus 15,8 Prozent).

Dass man sich beim Börsenverein so über diese Zahlen freut, hängt auch mit den Ergebnissen einer Studie zusammen, die der Verein im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Zwischen 2013 und 2017 ging demnach die Zahl derer, die Bücher gekauft hatten, um 6,4 Millionen zurück auf 29,6 Millionen 2017 – vor allem bei den 20- bis 49-Jährigen. Nach ihren Gründen gefragt, hatten viele dieser „Abgewanderten“ Zeitknappheit, Reizüberflutung in den sozialen Medien und mangelnde Kontaktpunkte zum Buch sowie Orientierungslosigkeit im Angebot genannt. Und das, obwohl sie erklärt hatten, Bücher und das Lesen sehr zu schätzen.

Diese Erkenntnisse, so Skipis, hätten im vergangenen Jahr in der Branche das Bewusstsein geschärft, dass eine neue Art der Kundenansprache nötig sei. Verlage und Buchhandlungen hätten deshalb angefangen Ideen zu entwickeln, um die Menschen (wieder) für Bücher zu begeistern. Dazu zählten etwa neue Ladenkonzepte, kreative Veranstaltungsformate oder auch Social-Media-Aktionen. Diese Strategien wollen Buchhandlungen und Verlage weiter ausbauen. Daneben hat der Börsenverein die Arbeit an einem kundenfreundlichen Orientierungssystem als wichtige Aufgabe ausgemacht. Der Weg zum Buch soll leichter werden.

Insgesamt machte die Branche im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9,13 Milliarden, was dem Niveau des Vorjahrs entspricht. Knapp jedes zweite Buch (46,8 Prozent) wird immer noch in Buchhandlungen gekauft, gefolgt von den Direktverkäufen durch die Verlage (21 Prozent) und dem Online-Handel (19,5 Prozent). Die positive Marktentwicklung zeigt sich auch beim E-Book. Hier hat die Branche ebenfalls Käuferinnen und Käufer zurückgewonnen: 3,6 Millionen Menschen (plus 1,8 Prozent) kauften im vergangenen Jahr mindestens eine digitale Buchausgabe.

Neben Kinder- und Jugendbüchern, deren Umsatzanteil auf 16,6 Prozent stieg, legten vor allem die Sachbücher zu: Mit einem Plus von 5,5 Prozent verzeichneten sie den stärksten Zuwachs. Vor allem die Debattenbücher seien es gewesen, die hier eine Rolle spielten, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins. Bücher über die USA und Donald Trump waren demnach besonders gefragt, genauso wie etwa die Biografie von Michelle Obama. „Daran sieht man, dass der Buchhandel eine wachsende Bedeutung in der Debattenkultur hat“, sagte Riethmüller und verwies in diesem Zusammenhang auf den Deutschen Sachbuchpreis, den der Börsenverein 2020 erstmals vergibt.

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