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Leipziger Buchmesse wegen Corona erneut abgesagt: So gravierend sind die Folgen

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Von: Judith von Sternburg

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Auf einem großen Banner steht Leipziger Buchmesse, darunter 17. bis 20. März 2022.
Im April 2021 setzte die Leipziger Buchmesse all ihre Hoffnungen noch auf 2022. Doch auch in diesem Jahr fällt sie aus. © Hendrik Schmidt/dpa

Die Leipziger Buchmesse fällt zum dritten Mal in Folge aus. Die Corona-Situation verunsichert ausstellende Verlage zu sehr. Droht jetzt eine Messe-Müdigkeit?

Leipzig – Muss man eine Oberpleite nicht auch einmal Oberpleite nennen? Während die Berlinale den kleinen Roten ausrollt und Theater auch in Hessen ankündigen, dass sie wieder mehr Publikum in ihre größeren Säle lassen dürfen, ist am Mittwoch die Leipziger Buchmesse 2022 komplett abgesagt worden – genau dann, als auch Karl Lauterbach einen Zeitpunkt für Corona-Lockerungen in Aussicht stellt.

„Schweren Herzens“, wie die Messe mitteilte, was man ihr anlässlich der dritten Absage in Folge glauben darf. Galt die Absage der Buchmesse wegen des Coronavirus‘ in 2020 noch als „konsequent und präventiv“, hatte man große Hoffnungen, dass sie dieses Jahr im Zuge einer Endemie wieder stattfinden kann.

Zu viele ausstellende Verlage, berichtete die dpa, hätten sich angesichts der unsicheren und unklaren Corona-Lage gegen eine Teilnahme entschieden. Branchenberichten zufolge kamen – nach jener optimistisch stimmenden „Blitzumfrage“ aus der vergangenen Woche – zuletzt Absagen in großer Zahl, vor allem auch von großen Verlagsgruppen wie Penguin Random House und Oetinger.

Leipziger Buchmesse wegen Corona abgesagt – Situation ist Verlagen zu unsicher

Zugleich bekannte sich die Interessenvertretung unabhängiger Verlage, die Kurt Wolff Stiftung, noch am Dienstag ausdrücklich zur Messe: „Die Leipziger Buchmesse ist von zentraler Bedeutung für die vielfältige deutsche Buch- und Verlagswelt“.

Was war jetzt der Fehler? Das Beharren auf dem angestammten März-Termin – der zum Erscheinen der Frühjahrstitel passt, aber nicht zur Corona-Pandemie-Lage? Messe-Direktor Oliver Zille hatte Mut und Beharrlichkeit damit begründet, dass 75 Prozent der Aussteller aus Vorkrisen-Zeiten eine Teilnahme zugesagt hatten.

„Die Branche hat uns klare Zeichen gegeben, die Messe mit aller Kraft zu ermöglichen – bis zuletzt haben wir um eine Durchführung gerungen“, erklärte Zille am Mittwoch. Aus der sächsischen Landespolitik, die für die Corona-Regeln zuständig ist, hatte es positive Signale gegeben.

Absage der Leipziger Buchmesse wegen Corona-Pandemie: Droht Messe-Müdigkeit?

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeigte sich erschüttert. „Die Messe wäre für das Buch und alle, die dafür und davon leben, sehr wichtig gewesen“, erklärte Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs. Sie dankte den Verlagen, die gekommen wären – und äußerte Verständnis für alle, die sich dagegen entschieden hatten. Eine „Messemüdigkeit“ wollte sie bei letzteren nicht erkennen. Sie hätten aus Verantwortungsgefühl gehandelt.

Wer bisher nicht müde war, mag es jetzt allerdings werden. 2020 war die Leipziger Buchmesse als eine der ersten großen Messen in Deutschland kurzfristig abgesagt worden, 2021 versuchte sie es sehr vernünftig mit einer Verschiebung in den Mai, lag aber wieder knapp daneben, als sich die Lage erst im Sommer entspannte. Und schon im vergangenen Jahr stellte sich daher die Frage: Einmal Absage der Leipziger Buchmesse ist keinmal, aber was passiert nach dem zweiten Mal?

Die Frankfurter Buchmesse wirkte dagegen geradezu opulent: 2020 zog die Buchmesse das Publikum ins Netz mit einer zumindest viel beachteten, einigermaßen beachteten Digitalausgabe, im vergangenen Herbst im Kleinformat mit rund 70.000 Besucherinnen und Besuchern statt wie gewohnt mehr als 300.000.

Buchbranche ist trotz Absage der Leipziger Buchmesse wegen Corona optimistisch

Die Branche gibt sich für die Zukunft der Messen laut dpa aber optimistisch. „Präsenzmessen werden weiterhin gebraucht“, teilte der Börsenverein mit. Von Penguin Random House hieß es: „Keiner sollte aus der erneuten Absage der Leipziger Messe schließen, dass diese Messe künftig nicht mehr gebraucht oder gewünscht wird.“

Das Gegenteil sei der Fall. Die Verlagsgruppe sei seit vielen Jahren „leidenschaftliche Teilnehmerin und Mitgestalterin“ der Messen – „und das soll auch so bleiben“. Gut. Man könnte sonst auf den Gedanken können, dass sich die Buchmessen – die von Rudelbildung leben, einem frei flottierenden Publikum – als eine veritable Hauptverliererin der Krise herausmendeln könnten.

Die Leipziger Messe nimmt jetzt das nächste Jahr wie immer fest in den Blick. Den 23. bis 26. März 2023. (Judith von Sternburg)

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