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Man sieht es den Inseln im Mälarsee nicht an, dass sie zum Tatort werden können.

Leif GW Persson

Leif GW Persson „Wer zweimal stirbt“: Der Herr Kommissar ist ein Kotzbrocken

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Leif GW Perssons Roman um Evert Bäckström, bester aller Ermittler

Er heißt Bäckström, Evert Bäckström, und man tut ihm nicht unrecht, wenn man ihn einen kleinen dicken Ekelpfropfen nennt. Einen Rassisten. Sexisten. Homophob. Faul außerdem. Eitel auch noch. Aber mit einem Instinkt für Verbrecher. Er hat einfach immer recht (na ja, fast immer), der Herr Kommissar Bäckström. Es reicht also am Ende, dass er die Marschrichtung vorgibt und die anderen Beamten die Arbeit machen. Während er mit einem Freund beim Essen und vor allem Trinken im Nobelrestaurant sitzt. Oder sich „massieren“ lässt.

Der Schwede Leif GW Persson hat seit 1978 und trotz einer langen Schreibpause ein weites Ermittlernetz gespannt, vor allem um einen rechtschaffenen Polizisten namens Lars Martin Johansson. Da war Kotzbrocken Bäckström immer mal Nebenfigur. Nun, in „Wer zweimal stirbt“ (das schwedische Original erschien 2016), darf er schon zum vierten Mal den Ton angeben. Der ist, was sonst, gern mal ordinär.

Einigermaßen nett ist Bäckström immerhin zum Nachbarsjungen Edvin, zehn. Denn den kann er öfter mal losschicken – wir erinnern uns: der Kommissar ist faul -, ihm dies und das zu besorgen. Von einem Sommerlager der Pfadfinder am Mälarsee aber kommt Edvin vorzeitig zurück und bringt seinem Freund Bäckström einen Schädel mit, den er vor einem Fuchsbau fand. Im Schädel rollt und klappert eine Kugel – da weiß man doch gleich, dass es sich um einen Mord handeln könnte, allenfalls kommt ein Selbstmord in Frage. Doch da es sich um einen Frauenschädel handelt, da Frauen sich zudem fast nie erschießen, aber recht oft von ihren Partnern getötet werden, spricht alle Wahrscheinlichkeit für den Mord.

Das Buch

Leif GW Persson: Wer zweimal stirbt. Kriminalroman. A. d. Schwedischen von Julia Gschwilm. btb, München 2020. 572 S., 16 Euro.

Problem nur, nach einem DNA-Abgleich: Diese Frau ist am 26. Dezember 2004 beim verheerenden Tsunami im thailändischen Khao Lak ums Leben gekommen. Schwedische Polizisten waren in den Tagen danach auch vor Ort und haben es auch mittels DNA bestätigt.

Kann man also zweimal sterben? Bäckström wittert Schlamperei oder Absicht (Versicherungsbetrug?), die Leserin ist da ausnahmsweise ganz bei ihm.

Leif GW Persson ist ein recht ausführlicher (570 Seiten), gleichzeitig leichtfüßiger, weil allemal süffig plaudernder Erzähler. Man liest es mit Amüsement, mit leisem In-sich-hinein-Lachen, wie Bäckström sich wieder mal auf eine erfundene Sitzung verdrückt, fiese Strippen zieht gegen eine Staatsanwältin, die Bibel zitierend den Tiefgläubigen spielt (wie schön, wenn die Kollegen verwirrt sind) oder grotesk stolz ist auf seine „Salami“ und das Glück, das er den Frauen seiner Meinung nach schenkt.

Perssons Bäckström-Romane sind eine durchaus beschwingte Lektüre, ein manchmal auch mit satirischer Schärfe gewürzter Spaß. Man kann sich außerdem darauf verlassen, dass am Ende der Böse dran glauben muss, denn Evert Bäckström hat schließlich von allen schwedischen Mordermittlern die höchste Aufklärungsrate. Das schützt ihn sogar (noch?) vor den perfiden Kollegen von der „Inneren“, die ihm doch tatsächlich dies und das vorwerfen wollen – was aber einfach dem Wohlbefinden des besten aller Polizisten dient. Dienen muss, findet Bäckström, da der Staat ohne sein Genie ja geradezu verloren wäre.

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