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Mareike Krügel: "Sieh mich an"

Vom Leben als Mutter

  • VonPetra Pluwatsch
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Und wenn man sich Lichtjahre entfernt von den Jugendträumen? Mareike Krügel erzählt in ihrem neuen Roman ohne Rücksichten von einem Leben als Mutter.

Katharina will nicht sterben. Aber sie hat „ein Etwas“ und weiß nicht, was sie tun soll. „Nichts ist mehr so, wie es gehört. Nichts ist so geworden, wie ich es wollte, gar nichts, und nun stehe ich da und muss mir selber zuhören, wie ich zu mir sage: War das nicht klar? Das hast du doch gewusst, Katharina, damit war doch zu rechnen.“

Eine Frau, Anfang 40, verheiratet, Mutter zweier Kinder, zieht Bilanz, nachdem sie in ihrer Brust einen Knoten entdeckt hat: lakonisch, ehrlich, überraschend humorvoll. Ist das harmlos? Oder hat sie womöglich Krebs? Sie wäre nicht die erste in ihrer Familie. In ihrem neuen Roman „Sieh mich an“ schildert Mareike Krügel den Freitag, bevor die Ich-Erzählerin zum Arzt geht, um abklären zu lassen, was es mit diesem „Etwas“ in ihrem Körper auf sich hat.

An guten Tagen ist alles in Ordnung

Katharina hat ihr Studium nicht beendet und ihre Träume von einer Karriere als Musikerin begraben, als sie Costas heiratete und ein Kind bekam. Zwei weitere Schwangerschaften folgten. Eines der Kinder wurde tot geboren, das andere, Helli, ist schwierig und erfordert ihre ganze Kraft. Jetzt gibt Katharina Musikstunden für Vorschulkinder, eine „Musiktante mit integriertem Kinder-Fahrdienst“, die „Hoch am Himmel, tief auf der Erde“ singt und Orff’sche Instrumente traktiert.

An guten Tagen ist das in Ordnung. Dann „kann ich mich selber überzeugen, dass ich wichtige Basisarbeit leiste“. An schlechten hingegen – und Katharina hat inzwischen viele schlechte Tage – „wird mir übel bei dem Gedanken, worauf ich, im Sterbebett liegend, werde zurückblicken können“.

„Es gibt mich noch“, sagt sie trotzig, wenn sie mit einem schlechten Gewissen ein paar Minuten für sich selber abzweigt. Wenn sie im Auto den Kopf in den Nacken legt, während sie vor dem Reitstall auf Helli wartet und „Dichterliebe“ von Robert Schumann hört.

Ein mutiges Buch

Schonungslos räumt Mareike Krügel, Jahrgang 1977, mit dem weiterhin präsenten Klischee auf, dass es für eine Frau nichts Schöneres gibt, als eine Familie zu gründen und für die Kinder zu sorgen, während der Mann hinauszieht in die Welt. Böse und traurig ist das Fazit, das die verzweifelte Erzählerin angesichts einer möglichen Krebsdiagnose zieht. „Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich durch mein Muttersein eine Art Amöbenstruktur entwickelt, wäre eine anpassungsfähige Masse geworden, die zurückweichen kann, wo immer jemand anderes Platz braucht, die um Hindernisse herum existiert und keine eigene Form hat. Ich bin so daran gewohnt, eine Masse zu sein, dass es mich fürchterlich überrascht, wenn ich irgendwo anstoße.“

„Sieh mich an“ ist ein mutiges Buch. Hier spricht eine Frau aus, was viele Mütter nicht einmal zu denken wagen. Dass sie an ihrem Muttersein verzweifeln. Dass sie ein Leben leben, das so weit entfernt ist von ihren Jugendträumen wie die Erde vom Mond.

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