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Keine Prüfung, sondern das Holi-Fest.
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Keine Prüfung, sondern das Holi-Fest.

Swarup "Die wunderbare Beförderung"

Vom Leben geprüft

Vikas Swarup, Autor der Vorlage von "Slumdog Millionaire", verwendet für seinen neuen Roman ein bewährtes Rezept zum zweiten Mal.

Von Susanne Lenz

Am Ende des Romans stehen wie üblich Danksagungen. Unter anderen dankt der Autor den Japanern. Der im diplomatischen Dienst Stehende war während der Arbeit an seinem Roman in Osaka stationiert. Er lobt Japan für seine Ordnung und Beschaulichkeit. Nichts davon findet sich im Buch. Es spielt ja auch in Vikas Swarups Heimatland Indien und ist chaotisch, bunt und prall wie ein Bollywoodfilm. Darauf weisen schon die gelben, pink- und orangefarbenen Stoffbahnen auf dem Buchumschlag hin. Hitze, Lärm und Motorradrikschas verstopfen die Straßen, auf denen seine Heldin wandelt.

Es handelt sich um eine märchenhafte Story. Die Ich-Erzählerin, eine junge Frau namens Sapna, die als Verkäuferin in einer Art Mediamarkt in Delhi arbeitet, besucht in der Mittagspause einen Tempel. Dort spricht sie ein Fremder an. Er stellt ihr in Aussicht, sie zur Chefin seines Firmenimperiums zu machen. Sie habe das gewisse Funkeln in ihren Augen. Zuvor allerdings müsse sie sieben Prüfungen bestehen, verlangt dieser Mister Archaya. Sapna ist misstrauisch, aber dann lässt sie sich doch ein auf den Handel. Und los geht’s.

Und sie triumphiert

Sieben Prüfungen, sieben rasante Kapitel. „Die wunderbare Beförderung“ ist ein Episodenroman wie bereits Swarups „Rupien! Rupien“, der unter dem Titel „Slumdog Millionaire“ verfilmt wurde. Der Autor greift also auf ein bewährtes Rezept zurück. Was die Qualifikationstests angeht, verlässt sich Mister Archaya auf das Leben. Und das hat in Indien einiges zu bieten. Sapna-Superwoman, die der Klasse der einfachen, aber ehrlichen Leute entstammt, gerät von einer Situation, die Mut, Engagement und eine einwandfreie Moral erfordern, in die nächste – und triumphiert. Vikas Swarup führt auf diese Weise einige der drängendsten Probleme seines Landes vor. Da wären Zwangsheirat, Kinderarbeit, Organhandel, Säureanschläge. Diese Sozialkritik wirkt manchmal holzschnittartig. In einem Sweatshop, in dem Kinder viele Stunden am Tag an gefährlichen Maschinen arbeiten, doziert die NGO-Mitarbeiterin, die Sapna begleitet: „Die Armen verlieren die Fingerspitzen meist bei Unfällen, zu denen es durch schiere Erschöpfung kommt.“ Manches ist aber auch brüllend komisch, etwa, wenn die verwitwete Nachbarin Sapnas, eine unscheinbare ältere Dame, in den Hungerstreik tritt, um gegen das Krebsgeschwür der Korruption im ganzen Land vorzugehen. Mit Sapnas Hilfe wird sie, schwupps, zu einer Art Guru mit riesigem Gefolge.

Man erfährt aber auch einiges über Indien, das man nicht so genau wusste. Darüber etwa, wie familiäre Beziehungen funktionieren, dass man als Frau besser Pfefferspray in der Handtasche hat (Massenvergewaltigungen) oder darüber, welche immense Bedeutung die Schattierung der Hautfarbe hat. Sapna ist „weizenbraun“, so nennt man ihre Hautfarbe wenigstens in indischen Heiratsanzeigen. Es handelt sich um einen Euphemismus für nicht hell. Das macht sie zum hässlichen Entlein der Familie. „In diesem Teil der Welt bestimmt die Hautfarbe dein Schicksal“, sinniert Sapna. Auch wenn der Autor das offenbar kritisch sieht, ist dieses Denken auch in ihm so tief verwurzelt, dass er immer wieder Worte für die Hautfarbe einiger seiner Figuren findet.

Das Ende des Buchs wirkt an den Haaren herbeigezogen. Den Bösewicht hätte man nie vermutet, aber nicht, weil der Autor ihn so geschickt verborgen hat, sondern weil die Rolle, die er bis zu seiner Entdeckung spielt, das so unglaubwürdig macht. Aber bis dahin fühlt man sich meist ziemlich gut unterhalten.
Vikas Swarup: Die wunderbare Beförderung. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Kiepenheuer & Witsch 2014, 400 Seiten, 16,99 Euro.

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