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Lars Jaeger über die Mathematikerin Emmy Noether - Gegen alle Unlogik

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Von: Thomas Kaspar

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Unter Männern: Die sechs Büsten in der Ruhmeshalle in München (Oberbayern), die Skulpturen zeigen den Komponisten Carl Orff (unten l-r), Physiker Werner Heisenberg, Dichter Bertolt Brecht, Mathematikerin Emmy Noether und Forscherin Therese von Bayern.
Unter Männern: Die sechs Büsten in der Ruhmeshalle in München (Oberbayern), die Skulpturen zeigen den Komponisten Carl Orff (unten l-r), Physiker Werner Heisenberg, Dichter Bertolt Brecht, Mathematikerin Emmy Noether und Forscherin Therese von Bayern. © dpa/(Archivbild)

Über die Mathematikerin Emmy Noether, die viel zu spät Anerkennung bekam.

Hochbegabte Frauen sind dreifach benachteiligt. Sie haben nicht die gleichen Beteiligungschancen, zu Lebzeiten werden sie selten anerkannt und nach dem Tod oftmals zu Unrecht vergessen. Lars Jaeger behebt mit seiner detailreichen Biografie über die jüdische Ausnahme-Mathematikerin Emmy Noether zumindest einen Mangel. Das Buch ist nicht nur für Fachinteressierte spannend, es malt mit leichter Hand auch das Bild jener Jahre, in der Geschlechterrollen sowie Mathematik und Physik fundamental aus den eingerosteten Angeln gehoben wurden.

Amalie Emmy Noether wird 1882 in das Haus eines Mathematikprofessors geboren. Auf ihrem Weg zur bedeutendsten Mathematikerin der Geschichte liegen so viele Stolpersteine, dass daran zu ermessen ist, wie groß ihre unbedingte Liebe zu ihrem Fach gewesen sein muss. Für den Besuch der ersten Vorlesungen bittet sie jeden Professor einzeln für jede Vorlesung um Erlaubnis. Als Bayern 1903 erstmals Studentinnen zulässt (Hessen erlaubte es 1908), muss sie erst bei Privatgelehrten ihr Abitur nachholen – Mädchen war dies bis dato am Gymnasium verwehrt.

Natürlich ohne Bezahlung

1907 gelingt es ihr als zweiter Deutscher, im Fach zu promovieren, ihre Doktorarbeit wird mit Höchstnote ausgezeichnet. Sie unterrichtet im Anschluss als eine der wenigen Frauen an der Universität – anders als ihre männlichen Zeitgenossen selbst als Professorin ohne Bezahlung. Als sie, deren herausragende Brillanz kein Kollege in Frage stellte, endlich habilitieren wollte, wies eine Schiedskommission ihren Antrag ab („halte das weibliche Gehirn für ungeeignet zur mathematischen Produktion“). Erst auf Intervention Albert Einsteins persönlich konnte der Herausragenden die Professorenwürde nicht mehr verwehrt werden.

Das Buch

Lars Jaeger: Emmy Noether. Ihr steiniger Weg an die Weltspitze der Mathematik. Südverlag. 272 S., 22 Euro.

Emmy Noether ertrug dies durch ihre unbedingte Hinwendung zur abstrakten Algebra. Sie gab ihrer Disziplin das, was der Umbruch benötigte: Sie revolutionierte nicht weniger als die Berechnungsmethoden, die etwa die Allgemeine Relativitätstheorie benötigte. Quasi en passant zeigte sie, wie Einsteins Theorie eben nicht den Energie- und Impulserhaltungssatz außer Kraft setzt. Zumindest in diesem bahnbrechenden Beweis ist sie als eines von zwei „Noether-Theoremen“ verewigt.

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