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Nur ausnahmsweise durfte Thomas Dashuber Einblicke in eine verschwindende Welt nehmen.
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Nur ausnahmsweise durfte Thomas Dashuber Einblicke in eine verschwindende Welt nehmen.

Thomas Dashuber „Klausur“

In langen Fluren nur Stille

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Fotograf Thomas Dashuber dokumentiert das Leben in zehn bayerischen Frauenklöstern. Zwei davon existierten bei Erscheinen des Bandes „Klausur“ bereits nicht mehr, zwei weitere werden Ende 2016 verschwunden sein.

Eine hölzerne Türschwelle, über die so viele Menschen schon getreten sind, dass sie ein dezentes U bildet. Eine breite Treppe, auch aus Holz, auch sauberglänzend, die man sich nur knarzend und ächzend vorstellen kann. Ein grauer Umhang, der neben dem Treppenhaus hängt. Eine präzise Reihe Wassergläser im Schrank. Ein Stück dunkelbrauner Stoff mit Näh- und Stecknadeln. Ein Metallkorb mit ungewaschenen, daneben ein ähnlicher Korb mit gewaschenen Kartoffeln. Eine Wäschetruhe. Gräber im Hof. Marienfiguren. Jesus am Kreuz, vielfach.

Der Fotograf Thomas Dashuber hat über vier Jahre bayerische Frauenklöster besuchen können. Nur nach Absprache, natürlich, aber doch umfassend. Zehn Klöster waren es, sie sind in dem dicken Band „Klausur. Vom Leben im Kloster“ nun mit Dashubers Bildern dokumentiert, außerdem beschrieben von Herausgeber Christoph Kürzeder. Darunter zum Beispiel das Franziskanerinnenkloster St. Johann im Gnadenthal in Ingolstadt, das Kloster der Salesianerinnen in Dietramszell, die Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal in Landshut.

Zwei der Klöster, in Altenhohenau und Beuerberg, existierten bei Erscheinen des Bandes bereits nicht mehr, das Ursulinen-Kloster in Landshut wird es Ende 2016 nicht mehr geben. Die Bilder, so schreibt es Kürzeder, berichten auch von der schmerzlichen Frage, „warum der eigene Lebensweg heute keine oder nur wenig Nachfolge findet“.

Das Verschwinden scheint unausweichlich

Nur auf einem Bruchteil der Fotografien sind Schwestern zu sehen. Manchmal huschen sie gerade weg. Manchmal blicken sie den Betrachter an, alte Frauen allesamt. Oder doch fast. Auf einem Bild hat eine jüngere Nonne ein Handy am Ohr. Auf einem anderen Bild macht eine jüngere Klosterfrau ein Foto und lacht. So rar sind diese Momente, dass das Verschwinden dieser alten Glaubenskultur unausweichlich scheint.

Zwischen den Fotografien belegen Zitate aus Ordensregeln, Satzungen, Liedern jahrhundertetiefe Wurzeln des abgeschlossenen, Gott gewidmeten Lebens. Aber auch eine schlichte Toleranz und Menschenfreundlichkeit in Zeiten, in denen außerhalb der Klostermauern von Toleranz keine Rede sein konnte.

„Sie (die Schwestern, d. Red) dürfen nichts Unschickliches, Unhöfliches und Spöttisches reden noch sich verächtliche Bemerkungen über Nationen, Länder oder über Abstammung und Herkunft erlauben“, so stand es 1928 in den Satzungen für die Schwestern von der Heimsuchung Mariä.

In zehn Kapitel ist Dashubers/Kürzeders Buch unterteilt, von „Klausur“ über „Kleidung“ und „Gebet“ bis „Ordnung“ (Gefaltetes, Sauberes in den Schränken) und „Schwestern“. Vielleicht nicht in alle, aber doch in die meisten der Kloster-Winkel konnte der Fotograf gucken. Er rückt Details in die Aufmerksamkeit, einen Glockenzug etwa, ein Namensbrett, Töpfe in der Küche, eine intrikate Stickerei. Er bildet viele lange Flure ab, denen man die Stille ansieht und die Sorgsamkeit, mit denen sie sauber gehalten werden.

Eine alte Schwester – man hat Sorge, sie könnte stürzen – putzt Fenster. Eine schält Kartoffeln. Ein PC-Bildschirm leuchtet. Auf einem Stuhl liegt eine Tageszeitung, man meint, Jogi Löw auf dem Titelblatt zu erkennen. Eine kleine Vogelvolière bietet Abwechslung. Es ist eine Welt der strengen Zeiteinteilung wie der Großzügigkeit des Besinnens und Betens.

Eine behutsame, aber deutliche Sprache

Die Fotografien Thomas Dashubers sprechen eine behutsame, aber doch auch deutliche Sprache. Sie atmen Stille, Strukturiertheit, Bescheidung. Sie zeigen die schlichte Schönheit der Architektur, die Funktionalität des Lebens, den Überschwang – in Bildern, Statuen, reichen Stickereien –, der zur Ehre Gottes verwendet wird. Eingeweckte Früchte, Heilmittel („Bismutum subgallicum“, „Acidum citricum“), auch, hinter Glas, Totenschädel stehen in Reih und Glied. Mit weißem Geschirr ist zum Essen gedeckt. In Ehren gehalten werden die Bilder der verstorbenen Schwestern.

Und Freundlichkeit liegt in den Gesichtern, die sich der Betrachterin zuwenden. Bekannt ist lange schon, dass hinter Klostermauern nicht immer nur Menschenfreundliches passierte. Vielleicht ist es ja das Bewusstsein, dass man zu den Letzten einer Art gehört, das die Klosterfrauen milde macht. Und das sie, von der anderen Seite der Mauern aus gesehen, auf diesen Fotografien in einen berührenden Schleier der Melancholie und Nostalgie hüllt.

Thomas Dashuber, Fotos, Christoph Kürzeder, Hrsg.: Klausur. Vom Leben im Kloster. Kunstmann, München 2016. 606 S., 35 Euro.

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