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In einer Landschaft der Regale präsentiert sich Frankreich den Besuchern aus aller Welt.

Buchmesse Frankfurt

Labyrinth der Bücher

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Ein erster Besuch im Pavillon des Ehrengastes Frankreich auf der Frankfurter Buchmesse.

Nur noch Minuten, dann stürmt die internationale Journalisten-Schar den französischen Pavillon. Eric Jourdan und Denis Coveignoux sitzen ein wenig erschöpft, aber zufrieden auf ihren Stühlen. Bis zuletzt haben die beiden Designer am Aufbau der Präsentation im Forum der Frankfurter Buchmesse gefeilt. Die Aufgabe ist bei jedem Ehrengast und in jedem Jahr heikel und schwierig: auf 2000 Quadratmetern einem Publikum aus aller Welt die Kultur, die Literatur eines Landes nahezubringen. In diesem Fall geht es sogar um den riesigen französischen Sprachraum, also um mehr als 50 Länder mit 270 Millionen Menschen.

Jourdan und Coveignoux haben sich – unter der Leitung des Designers Ruedi Baur – als grundlegendes Stilelement für ein labyrinthisches Geflecht von Wänden und Regalen aus hellem Holz entschieden. Es teilt und gliedert die Fläche, bildet Nischen und kleine Rückzugsräume. Auf insgesamt 33 Kilometer reihen sich die hölzernen Strukturen aneinander, berichtet Jourdan stolz. Das Holz für das Labyrinth kommt übrigens aus einer Nachbarregion Frankreichs, aus dem deutschen Schwarzwald. Der Designer lächelt.

„La grande Bühne“ für Lesungen und Gespräche

Jourdan und Coveignoux stammen aus einer großen Tradition, sie arbeiten an der Kunsthochschule von St. Etienne, der „europäischen Hauptstadt des Designs“. Als einzige europäische Stadt, so ist auf einer Schrifttafel zu lesen, trage St. Etienne das Unesco Label „Stadt des Designs“. Eric Jourdan ist in Frankreich recht bekannt, er entwirft unter anderem Möbel für eine renommierte Fabrikation. Tausende von Büchern erwarten die Besucher in der Regallandschaft, die licht und hell wirkt. Genau das war das Ziel der Urheber. „Wir wollten einen Raum, der sehr offen ist, der mit natürlichem Licht auskommt,“ sagt Coveignoux.

Über den warmgelben Boden strömen jetzt die Journalisten ins Innere des Pavillons. Viele Themen stehen für sie zur Auswahl, Comics locken an der einen Ecke, Kunstbücher an der anderen. Hier geht es um Bücher für „Kinder und Erwachsene“, dort sind „Geschichtenschmuggler“ am Werk. Eine alte Druckerpresse ist aufgebaut. „Hier drucken die Autoren“, heißt es einladend.

Zwei Bühnen, eine große und eine kleine, sind in den nächsten Tagen bis zum 15. Oktober Orte für ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm. Die große Plattform, „La grande Bühne“ genannt, bietet Lesungen und Gespräche mit Schriftstellern. Es gibt angenehm selbstironische Offerten. Eine Reihe heißt zum Beispiel „Incipit“ („Textanfang“) – hier werden Autoren den ersten Satz ihres Romans, ihrer Geschichte miteinander diskutieren.

„Books on France“

Ein zweites Format trägt den schönen Titel „Exercise d‚Àdmiration“ („Übung in Bewunderung“). Hier wollen die teilnehmenden Schriftsteller sich gegenseitig in aller Öffentlichkeit ihre Anerkennung aussprechen..... Am heutigen Mittwoch verkündet die Jury des wichtigen französischen Literaturpreises „Prix Goncourt“ auf der großen Bühne die diesjährige Shortlist. Zahlreiche prominente Autorinnen und Autoren gehören diesem Gremium an, etwa Virginie Despentes und Tahar Ben Jelloun. Das alles um 12 Uhr....

Die ersten Kamerateams streifen zwischen den Regalen umher. „Wer ist Ihr französischer Lieblingsautor?“, fragt der Kollege in die Linse. Und gibt dem Fernsehpublikum einige zur Auswahl: Gustave Flaubert, Victor Hugo – oder vielleicht doch Michel Houellebecq? Der Regisseur ist nicht zufrieden. Also noch einmal zurück ans Regal, dann wieder die Frage in die Kamera: „Wer ist Ihr französischer....?“ Wer sich in die mehr als 200-jährige Geschichte wichtiger französischer Verlage einlesen möchte, kann es hier tun. Die kleine Bühne bietet Lesungen aus Kinder- und Jugendbüchern und widmet sich der Comicszene. Allein 700 Bände über den Ehrengast Frankreich versammelt die Sonderausstellung „Books on France“.

Es ist der größte Auftritt des französischen Sprachraums, der in den nächsten Tagen in Frankfurt organisiert wird. Mehr als 180 Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben sich angesagt, 269 Verlage aus dem Nachbarland und anderen französischsprachigen Staaten präsentieren ihre Medien. „Francfort en francais“ („Frankfurt auf Französisch“) bringt nicht weniger als 555 Neuerscheinungen. Es ist eine große Einladung, die  ausgesprochen wird. Im Ehrengast-Pavillon kann man sie annehmen.

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