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Kulturen des Rassismus

Die verschiedenen Formen von Rassismus haben wohl die meisten Opfer in der Menschheitsgeschichte hervorgebracht - sie werden in Millionen gezählt. Christian

Von RUDOLF WALTHER

Die verschiedenen Formen von Rassismus haben wohl die meisten Opfer in der Menschheitsgeschichte hervorgebracht - sie werden in Millionen gezählt. Christian Delacampagne zeichnet die Geschichte des Rassismus von der Antike über Mittelalter und Frühe Neuzeit bis zur Gegenwart mit souveränen Strichen nach.

Den Rassismus hat es immer gegeben - als bewusst verfolgte Politik, als soziale Praxis und als Mentalität. Das vielleicht Frappierendste daran ist jedoch, dass der Rassismus im Laufe der Geschichte nicht mildere, sondern immer rabiatere und brutalere Züge angenommen hat. Das verbindet ihn mit der Entwicklung der Kriege bis hin zu den modernen "totalen Kriegen".

Seit der Aufklärung besitzt der Rassismus überdies ein pseudowissenschaftliches Fundament in Form von zahlreichen Rassetheorien, mit denen die Verfolgung und Vernichtung von Anderen und Fremden ideologisch gerechtfertigt wird, obwohl die Existenz von menschlichen "Rassen" wissenschaftlich nicht zu beweisen ist. Das Buch bringt nicht viel Neues an den Tag, aber es präsentiert die Schreckensgeschichte gut lesbar, präzis und übersichtlich.

Kein Multi-Kulti-Gartenfest

Bislang verstand man unter Kulturaustausch entweder eine schlichte Weitergabe oder einen Prozess, in dem der Nehmende missioniert oder "zivilisiert" werden sollte. Ein Sammelband mit 13 Beiträgen zum Interkulturellen Transfer und nationalen Eigensinn demonstriert, dass der kulturelle Austausch komplexer verläuft.

Am Beispiel der beiden BauhausArchitekten Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe zeigt Kathleen James-Chakraborty, wie unterschiedlich dieser Austausch ablief. Beide Architekten emigrierten in die USA. Gropius zeigte sich von Anfang an gegenüber US-Traditionen offen und hatte damit schnell Erfolg.

Mies van der Rohe dagegen hielt am strengen "deutschen" Bauhaus-Funktionalismus fest und konnte sich damit zunächst nicht durchsetzen. Erst mit seinen schmucklos-einfachen Wohntürmen in Chicago und New York wurde er später - ironischerweise - zum Vater der modernen "amerikanischen" Architektur ernannt.

Komplizierter verlief der kulturelle Austausch im kolonialen Kontext. Kien Nghi Ha beschäftigt sich mit den Colonial Studies von Homi Bhabha, der das Konzept der Hybridität in die Diskussion einführte. Darunter versteht man die "unreinen Vermischungen", die der koloniale Diskurs selbst erzeugt und damit seine vermeintlich stabilen "Rassezuschreibungen" untergräbt. Die Kolonisierten zogen daraus subversive Energien und verwandelten europäische Kulturgüter auf ihre Weise.

Der Prozess vom kulturellen Geben, Nehmen und Verändern kultureller Güter ist jedoch ein ambivalenter und widersprüchlicher Vorgang, der nicht zur harmonischen kulturellen "Vermischung" verharmlost werden darf. Damit werden Formen der Unterdrückung und Marginalisierung, die mit jeder "Vermischung" verbunden sind, zum Multikulti-Gartenfest entpolitisiert.

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