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Kritik der Grausamkeit

Die Menschenrechte sind der Ernstfall. Das belegen zwei Bücher auf ganz unterschiedliche Weise. Der Sammelband Der Mensch und seine Rechte enthält elf

Von RUDOLF WALTER

Die Menschenrechte sind der Ernstfall. Das belegen zwei Bücher auf ganz unterschiedliche Weise. Der Sammelband Der Mensch und seine Rechte enthält elf Vorträge einer Göttinger Ringvorlesung zum Thema. Christian Starck beleuchtet in seinem Beitrag die Geschichte der Menschenrechte. Ihre schriftliche Fixierung fanden sie zwar erst in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948. Ihre Wurzeln reichen jedoch bis ins 18. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Aufklärung, die ihren Niederschlag in der US-amerikanischen Bill of Rights (1776) und in der französischen Déclaration des droits de l'homme (1789) fanden.

So wichtig ihre innerstaatliche Bedeutung in den USA und in Frankreich war, so gering die zwischenstaatliche. Im 19. Jahrhundert betrachteten alle souveränen Staaten ihren Umgang mit religiösen, ethnischen und sprachlichen Minderheiten als arcanum imperii oder "innere Angelegenheiten". Erst im 20. Jahrhundert fanden die Menschenrechte den Weg aus den Büchern in die Verfassungen.

Andere Beiträge untersuchen das unterschiedliche Verständnis von Menschenrechten in China und im Westen (Ai-er Chen) oder in der islamisch geprägten Welt (Tilman Nagel). Aber auch die politischen Dimensionen der Menschenrechte im Westen werden untersucht - so die problematische Menschenrechtspolitik der USA (Georg Nolte) und die Gefährdung von Menschenrechten durch den Kampf gegen den Terrorismus (Jochen A. Frowein). Insgesamt bietet der Band eine Bestandsaufnahme der aktuellen Debatte über Menschenrechte und Menschenrechtspolitik.

Bilder der Kindheit

Der prächtige Bildband Kinder. Die Zukunft der Menschheit hat das - ungeschriebene - Menschenrecht auf eine Kindheit zum Thema. Die Fotos dokumentieren das Schicksal von Millionen von Kindern, die in Armuts- und Kriegsgebieten aufwachsen, von Hunger und Durst bedroht sind und weder zu Bildung und Freizeitaktivitäten noch zur Gesundheitsversorgung Zugang haben. Die eindrucksvollen Arbeiten in Schwarz-Weiß und Farbe stammen von Fotografen, die in den vergangenen fünf Jahren von Unicef für ein "Foto des Jahres" ausgezeichnet worden sind. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, Fotografen auszuzeichnen, die sich mit der schwierigen Situation von Kindern auseinander setzen. Die Nominierung für den Wettbewerb erfolgt ausschließlich durch international renommierte Fotografen.

Die Schriftsteller Eduardo Galeano, Susan Sontag, Günter Grass, Mario Vargas Llosa und der Fotograf Sebastião Salgado steuerten Texte zum Bildband bei. Susan Sontags Reflexionen über Das Leiden Anderer betrachten bestechen durch ihre ästhetische Bestimmtheit und intellektuelle Redlichkeit. Auch die stärkste Gefühlsregung, die ein Foto auslösen kann, verblasst irgendwann. Aber das spricht nicht gegen die Fotografie, sondern weist darauf hin, dass in der Erinnerung "aus der Darstellung bestimmter Verbrechen… eine Kritik an menschlicher Grausamkeit und Brutalität schlechthin" werden kann.

Georg Nolte/Hans-Ludwig Schreiber (Hrsg.): Der Mensch und seine Rechte. Grundlagen und Brennpunkte der Menschenrechte. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, 205 Seiten, 19 Euro.

Angela Rupprecht/Ruth Eichborn (Hrsg.): Kinder. Die Zukunft der Menschheit. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2005, 176 Seiten, 45 Euro.

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