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Auf Kosten der Mehrheit

Thilo Thielkes pessimistischer Blick auf Kenia

Von ANDREAS ECKERT

"Kenia in Flammen". So oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen im vergangenen Januar, als das ostafrikanische Land kurzfristig in den Blickpunkt der deutschen Öffentlichkeit rückte. Zuvor hatte es bei der Stimmenauszählung zu den Präsidentschaftswahlen offenkundige Unregelmäßigkeiten gegeben. Erst nach mehrwöchigen blutigen Auseinandersetzungen konnte - dank der Vermittlung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan - ein Kompromiss ausgehandelt werden. Thilo Thielke hat als Korrespondent mit Sitz in Nairobi die Wochen, in denen Kenia an der Schwelle zu einem Bürgerkrieg stand, hautnah miterlebt. Seine seinerzeit verfassten Berichte liegen nun überarbeitet und ergänzt als "Reportagen aus dem Inneren eines zerrissenen Landes" in Buchform vor.

Thielke zeichnet ein schonungsloses, vor allem pessimistisches Bild von Gegenwart und Zukunft Kenias. Den Hauptgrund für die Krise sieht er im "Tribalismus" und in den raffgierigen und korrupten Eliten, die sich gnadenlos auf Kosten der Mehrheit bereichern und auf diese Weise extreme Spannungen in der kenianischen Gesellschaft erzeugen. Solche Hinweise sind nicht neu - und wie viele andere Berichterstatter und Interpreten versäumt es leider auch Thielke, die benannten Probleme auch zu erklären. Oder will er sagen, der "Tribalismus" sei den Afrikanern gleichsam angeboren?

Das Telefonbuch von Mannheim

Aufgelockert wird die düstere Darstellung von der "Schlacht um Nairobi" und anderen Kriegsszenen mit kurzen Ausführungen über Themen wie den Sextourismus. So beschreibt der Autor etwa einen kenianischen Strandverkäufer namens Thomas. Er "rattert Namen herunter wie Ilse, Sabine, Gabi oder Steffi, als hätte er das Telefonbuch von Mannheim im Kopf". Thielke verteilt zudem süffisante Seitenhiebe auf das auf dem Buchmarkt sehr erfolgreiche autobiografische Genre à la "Ich war eine weiße Massai".

Nicht nur im Falle Kenias sieht der Korrespondent ausschließlich düstere Wolken am Horizont. Der Kontinent Afrika sei insgesamt in einem "verheerenden Zustand". Und welche Konsequenzen sollen wir aus dieser Feststellung ziehen? Thielkes Mischung aus durchaus treffenden Beobachtungen und vielen Stereotypen lässt einen am Ende der Lektüre ein wenig ratlos zurück.

Thilo Thielke:

Kenia. Reportagen aus dem Inneren

eines zerrissenen Landes. Brandes & Apsel 2008, 231 S., 19,90 Euro.

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