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Bis nach Mumbai geht es mit den Gedichten von Thomas Kunst.
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Bis nach Mumbai geht es mit den Gedichten von Thomas Kunst.

Lyrik

Kopfüber in eine unheile Welt

  • Dirk Pilz
    VonDirk Pilz
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Neue, ernste Gedichtbände von Uwe Kolbe und Thomas Kunst.

Große Bange
Im bereits reichen Werk des Berliner Schriftstellers Uwe Kolbe ist dieser Band sein bisher ungewöhnlichster. Im Vorwort erklärt der Autor, „jedes Gedicht ist ein Psalm, jeder Psalm ist ein Gedicht“. Und er versammle hier die „Psalmen eines Heiden, der Gott verpasste“, der jedoch zu Gott sprach: „Und als ich ihn ansprach, verweigerte er sich nicht“.

Daraus sind allerdings keine frommen Lieder geworden, sondern Such-Bilder unter „stürzenden Himmeln“ von einem, der „im Gestöber der Jahre, / lebte in falschen Bildern, einwärts gebogen“. Texte von einem „Stammler der Liebe“. Anders lässt sich ohnehin nicht dichten, weder von Gott noch von der Welt: „Ich hab so eine große Bange / ich krieg sie nicht klein.“ Aber er findet hier zu Worten in erstaunlich verschiedenen Formen, die diesem Suchen und dieser Bangigkeit Gestalt und Gesicht verleihen. Ungemein offene, geradezu umstürzlerisch ehrliche Verse: „Ich fasse nicht, was mich fasst.“

Ruppiger Realismus
In diesen Gedichten geht es immer um alles. Sie sind nicht nur in der gesamten Welt unterwegs, von Delitzsch-West bis Bombay. Sie versammeln auch die unterschiedlichsten Eindrücke, Gedanken, Gefühle in einem gemeinsamen Kosmos eines ruppigen Realismus. Beeindruckend, wie der Leipziger Dichter Thomas Kunst auf der Klaviatur der Formen spielt, Sonette schreibt, Brief- und Prosagedichte, Ungereimtes und Reimvollendetes.

Beeindruckend, wie Kunst dabei aus Kleinigkeiten und Einzelheiten Welten erstehen lässt, aus einem Tankstellenbesuch oder aus einem Kronkorken. Vor allem beeindrucken diese Gedichte aber durch ihre Widerborstigkeit und durch ihre hartnäckige Weigerung, einer schlechten Welt dennoch schöne Verse zu singen. Dass einzelne Zeilen in verschiedenen Gedichten auftauchen, dass sie sich ineinander verhaken und verfangen, dient hier nicht der Imagination einer heimlichen Harmonie: Diese Gedichte stürzen sich kopfüber in eine Welt, die im Innersten nichts zusammenhält. 

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