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In einer kleinen Gasse in einer anderen Stadt ... zum Beispiel Lissabon.
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In einer kleinen Gasse in einer anderen Stadt ... zum Beispiel Lissabon.

„Briefe aus Lissabon“

Konstantin Arnold: „Libertin“ – Bloß keine Rollkoffer

  • Tanja Kokoska
    vonTanja Kokoska
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Auch beim Lesen kann man sich für kurze Zeit weit weg fühlen. Zu Konstantin Arnolds „Briefen aus Lissabon“.

Es gibt diese Abende. Oder eher: Es gab sie, vor den Zeiten der Pandemie. Aber sie sind so präsent im Gedächtnis haften geblieben, dass es ein Leichtes ist, sich an sie zu erinnern. Diese Abende, irgendwo in einer winzigen Kneipe in einer winzigen Gasse in irgendeiner Stadt. Lissabon zum Beispiel. Die Luft ist mild, der Wein pulsiert in Kopf und Herz, der Tisch wackelt auf unebenem Straßenpflaster. Die Blicke sind magnetisch, die Gespräche wie ein Perpetuum mobile, ständig in Bewegung, intensiv, wild, die Welt umschlingend. Das sind diese Abende, an denen die Zeit gleichgültig wird. Konzentriertes, mit allen Sinnen geschmecktes Leben. Als könnte man es in einen Tiegel füllen und köcheln lassen, so lange, bis nur noch seine Essenz übrig bleibt. Der totale Genuss des Augenblicks.

S o fühlt es sich an, Konstantin Arnold zu lesen. Weil er – es kann nicht anders sein – so lebt, wie er schreibt und umgekehrt. Als loderte in ihm die Flamme, die das Leben und das Schreiben am Kochen hält. „Libertin“, so der Buchtitel, was „Freigeist“ bedeutet oder auch „ausschweifend, zügellos lebender Mensch“. Das trifft es wohl. Seine „Briefe aus Lissabon“, so der Untertitel, sind alles, aber keine Reiseliteratur. Sie sind eine Hommage an die dunklen, verwunschenen Ecken der Stadt. „Nichts für Menschen mit Rollkoffern.“ An die dunklen, verwunschenen Ecken der Seele. An den Größenwahn und die Selbstzweifel. Und, ja, auch an die Frauen und die Liebe und eine ganz bestimmte. „Wir sind aufeinander eingeschlafen mit Licht an, so wie sich’s gehört.“

Das Buch

Konstantin Arnold: Libertin – Briefe aus Lissabon. Proof Verlag, Erfurt 2020. 340 Seiten, 19,90 Euro.

Wonach wir uns sehnen

Er, der Deutsche, der noch so jung ist, aber doch schon zu alt, um noch Rollkoffer zu verherrlichen, kommt von dieser portugiesischen Stadt nicht mehr los, vorerst jedenfalls. Er hat sich entschieden zu bleiben. „Lissabon lässt dich sitzen, zu spät kommen, obwohl du schon dreimal aufstehen und zahlen wolltest.“ So sind sie, diese Abende – an denen man eigentlich rauchen müsste, wenn man noch rauchen würde –, nach denen wir uns sehnen. Und mehr als das: Es ist die Sehnsucht nach Kompromisslosigkeit und zugleich danach, eine Wahl zu haben – zu gehen oder zu bleiben.

Gerade jetzt, mitten in der Pandemie, hilft es, diese Texte zu lesen. Es fühlt sich an, als wären wir weit fort. Konstantin Arnolds Briefe tragen keine Adresse. Aber es ist ganz einfach: Sie sind für uns.

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