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Wenn man von einem Wiener Schnitzel träumt

Studentenfutter

Sarah Wiener Schnitzel

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Essen wird auf der Frankfurter Buchmesse groß geschrieben. Deshalb sind auch die Großen der Branche zugegen. Eine von ihnen ist Sarah Wiener. Es geht um Fleisch.

Um meinen Fleischkonsum einzuschränken, bin ich auf der Suche nach Antworten. Deshalb mache ich mich auf der Frankfurter Buchmesse auf den Weg zu einer Veranstaltung, die sich den Slogan „Täglich Schnitzel? Klimaschutz braucht Klasse statt Masse“ hat einfallen lassen. Auf dem Weg dorthin bekomme ich zum ersten Mal auf dieser Messe kostenlos ein Buch angeboten: das Alte Testament. Ich lehne ab, ich will nicht missioniert werden. Doch das soll heute nicht der einzige Versuch bleiben.

Denn im sogenannten Gourmet & Travel Salon in der sogenannten Gourmet Gallery sitzen drei Frauen, die sich fragen, wie viel Fleisch unsere Welt noch verträgt. Eine von ihnen ist Sarah Wiener. Die Frau ist umtriebig. Sie ist Köchin, Autorin, Restaurant- und Biobäckereibesitzerin, beteiligt sich an einem Biobauernhof in der Uckermark und seit Kurzem ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments für die österreichischen Grünen. Eine Stiftung hat sie auch noch. Die Sarah Wiener Stiftung. Auf dem Podium sagt sie über sich: „Ich bin eine Träumerin.“ Ich habe Hunger und träume von Wiener Schnitzel.

Sarah Wiener: „Wir haben die Kuh kannibalisiert"

Auch ich finde das Thema der Veranstaltung wichtig. Es geht um den dringend notwendigen Strukturwechsel der Agrarindustrie. Oder wie Sarah Wiener sie nennt: „Aggro-Industrie“. Sie hat bei dem Thema ihre eigene Sprache gefunden, das soll hier auch bitte jeder merken. Für Statements wie „Wir haben die Kuh kannibalisiert“ erntet sie Applaus. Mir ist das hier zu passiv-aggressiv. Falls Applaus ausbleibt, wartet sie kurz, um dann erwartungsvoll in die Runde zu blicken und mit langsam einsetzenden Klatschen zufrieden zu nicken. Ich lerne, dass die Bodenschicht unter dem Gras, auf dem Kühe weiden, ein guter CO2-Speicher sein kann. Dafür müssen aber auch Kühe, Sarah Wiener nennt sie am liebsten „Mitgeschöpfe“, dort grasen. Doch aktuell geht zu viel Boden für Ackerland drauf. Deshalb wird bodengebundene Tiernahrung gefordert. Und das Ende der Massentierhaltung. So weit, so gut.

Was denn jede*r einzelne tun könne, fragt die Moderatorin. Aber da hat Sarah Wiener gerade ihren Kollegen Johann Lafer entdeckt, der hier gleich Werbung für sein x-tes Kochbuch machen will. Sie unterbricht die Moderatorin, um über ihr Mikro „Johann, Johann“ zu rufen, der damit beschäftigt ist, sein Kochbuch auf einem Stapel zurechtzurücken. Er ist irritiert, ich bin es längst und die Moderatorin ist aus dem Konzept gebracht. Ein neuer Versuch. Sarah Wiener sagt: "Bewusster essen". Danke, Sarah. Und betont nochmal: Der „Aggro-Industrie” muss der Kampf angesagt werden. Man solle doch einfach weniger unserer „Mitgeschöpfe” essen und wenn, dann nicht nur die Edelteile. Ich verstehe ihren Punkt. Eine Kuh ist wertvoll, doch es ist nicht degradierend, sie einfach Kuh zu nennen. Und Sarah Wieners Versuch, mich vom knusprig gebackenen Schnitzel abzulenken, macht meine Sehnsucht größer als je zuvor.

Die nächste Folge „Studentenfutter": Wir waren für Sie auf der Premiere von Johann Lafers neuem Kochbuch.

In der Rubrik "Unter Dreißig" berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

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