KNV

Mehr als ein Zwischenhändler

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Die Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV erschüttert eine Branche.

Manche Dinge passieren einfach so. Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus dem Hahn und das Buch vom Buchhändler. So, wie man sich beim Föhnen oder Duschen keine Gedanken über die Vorgänge im E- oder im Wasserwerk macht, so fragt man sich kaum, wie das Buch in den Laden gelangt. Jetzt ist es Zeit, darüber nachzudenken.

Seit Freitag steht der Buchgroßhändler KNV unter Insolvenzverwaltung. Das Familienunternehmen Koch, Neff & Volckmar, gegründet 1829, ist führend im Buch-Zwischenhandel auf dem deutschen Markt. Es beliefert 5600 Buchhandlungen mit deutschsprachigen Titeln. KNV und seine kleinen Konkurrenten wie Libri und Umbreit sorgen für die privilegierte Situation, in der sich hierzulande Freunde des gedruckten Buches seit Jahrzehnten befinden. Wenn mein Buchhändler den Roman von X nicht in seinen Regalen stehen hat, kann ich am nächsten Tag wiederkommen, weil er ihn beim Zwischenhändler oder – wie man auch sagen kann – beim Barsortimenter ordert. Ich kann auch im Laden anrufen oder das Buch auf seiner Webseite bestellen und es am nächsten Tag abholen. Den Titel beim Online-Händler zu ordern, spart nur denen Zeit, die zu Hause sind, wenn das Päckchen ankommt. Auf ein Zwischenlager wie von KNV ist übrigens auch Amazon angewiesen.

Auch wenn die Ursachen, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mitteilt, „nicht im Buchmarkt selbst“ liegen mögen, hat die Nachricht die Branche erschüttert. Beobachter sehen die Ursache in wirtschaftlichen Entscheidungen des Unternehmens, vor allem dem teuren Umzug des Logistikzentrums. Mit dem Insolvenzverwalter soll zwar gerade alles wie immer laufen, gesucht wird aber ein starker Partner für die Zukunft.

Der Buchmarkt ist allerdings nicht die attraktivste Branche für Investitionen. Hier waren die Gewinnspannen nie groß. Hinzu kommt, dass das Interesse am Medium Buch sinkt.

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