Frankfurt-Krimi

Die klischeehafte Partitur des Todes

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Der neue Fall von Jan Seghers macht leider keinen Versuch, Klischees auszuweichen.

Serien-Krimis haben den Vorteil, dass man ihr Ermittlungspersonal spätestens im dritten Band begrüßen kann wie alte, wenn auch ferne Bekannte. Ach ja, der Marthaler, kann die Leserin dann zu sich selbst sagen, er fährt immer noch gern Rad, ist immer noch schwer von Begriff, wenn es um Frauen geht (diesmal so schwer von Begriff, dass es kaum zu glauben ist), und trotzdem immer noch mit Tereza zusammen, der Kunsthistorikerin, die so schöne Wörter erfindet wie "Schlauwisser".

Kerstin Henschel ist erneut die stille, verlässliche Kollegin an Marthalers Seite, Sven Liebmann und Kai Döring, die Unzertrennlichen, haben ein wenig Stress miteinander - aber entweder Jan Seghers hat zuletzt vergessen, dass ihre mysteriöse Unstimmigkeit noch ein loses Fädchen ist, oder die Rezensentin hat die "Lösung" überlesen.

Der Frankfurter Mankell?

Und natürlich begrüßt man auch all die Frankfurter Örtlichkeiten wieder gern - den Günthersburgpark, die Maininsel, auf der da gerade der Portikus gebaut wird, das "Lesecafé" - in diesem neuen, heute erscheinenden Kriminalroman von Jan Seghers alias Matthias Altenburg. Der schon als Frankfurter Mankell gehandelt wurde, na ja. Der Vergleich passt allerdings insofern, als beide mit Toten klotzen, nicht kleckern.

Auf sieben Ermordete bringt es die "Partitur des Todes" - als die sich die Handschrift einer neu entdeckten Offenbach-Operette entpuppt. Fünf der Opfer liegen alsbald erschossen auf dem Restaurantboot "Sultans Imbiss", das am Schaumainkai ankert, einer davon ist Staatssekretär. So muss die Polizeimaschinerie schnell und umfassend anlaufen; wie dabei ein Ermittlungs-Rädchen ins andere greift, das erzählt Seghers, als habe er sich richtig gut informiert.

Aber er erzählt es auch seltsam routiniert, als flutsche ihm das Schreiben schon bei seinem dritten Krimi nur so durch die Finger. Fast immer sagen seine Figuren, was sie in einem schlechten Fernsehkrimi sagen würden, sie sprechen das Offensichtliche aus ("wir müssen uns beeilen"), fühlen das Offensichtliche und suchen einen Täter, der "vor nichts zurückschreckt".

Als ob das nach so viel Toten noch eine Erkenntnis wäre, die sich mitzuteilen lohnte. Schwer vorstellbar, dass ein Matthias Altenburg nicht auch weiter reichen könnte als stets bis zum naheliegendsten Adjektiv oder Adverb: Da gibt es leere Blicke, wird fieberhaft überlegt, äußert sich der Schuft mit "heiserem Krächzen". Sprach-Flachland, so weit das Auge reicht, nur "komm erst mal bei dich"-Tereza ragt heraus.

Auch die Handlung ist nicht gerade ein Achttausender: Die Leserin hört die Nachtigall viel eher trapsen als der Herr Hauptkommissar. Und es hilft nicht wirklich, dass im Seghers'schen Frankfurt immerhin die Uhren anders gehen: Da hat die Polizei um "halb acht" maximal noch eine Stunde Zeit - aber brenzlig wird's dann um 21.23 Uhr.

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