Umwelt

Klimawandel ist auch Geschäft

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Die internationale Buchbranche diskutiert über die ökologische Krise und umweltfreundliche Produktion bei den Verlagen.

Als Rollan Seisenbayev seine Rede beendet hat, brandet Beifall auf vor der International Stage der Frankfurter Buchmesse. Der 73-jährige Autor aus Kasachstan hat in bewegenden Worten an die „Erdlinge“ appelliert, alles zu tun, „um den Planeten zu retten“. In seinem Buch von 1991, das jetzt erst auf Englisch erschienen ist, hat der Sohn eines Fischers die Umweltzerstörung in seiner Heimat beschrieben. Das Austrocknen des Aralsees, der einmal das viertgrößte Binnengewässer der Welt war, und die Vergiftung durch die Atombombenversuche der früheren Sowjetunion.

Gerade erst haben die Hallen der Messe geöffnet. Und schon sitzen Literaturagentinnen, Autoren, Verlagsvertreter zusammen, um über „The Climate Crisis“ auf Englisch zu diskutieren.

Porter Anderson, der Editor-in-Chief von Publishing Perspectives, hat das Podium zusammengebracht. „Was bedeutet der Klimawandel für uns als Verleger?“, fragt der US-Amerikaner. Und es zeigt sich, dass die Klimakrise in vielerlei Hinsicht die Buchbranche erfasst hat.

Zum einen sind Bücher, die sich mit ökologischen Fragen beschäftigen, zur Zeit ein sehr gutes Geschäft. Die Agentin Stephanie Barrouillet betreut ein Kinderbuch aus Südkorea, das über Plastik in den Ozeanen aufklärt. „Es hat sich in zehn Sprachen verkauft“, berichtet sie begeistert. In den Schulen Südkoreas werde der Klimawandel heiß diskutiert, der Staat habe gerade Plastikbecher verboten.

Auch Anne Sverdrup-Thygeson aus Norwegen hat einen Bestseller mitgebracht, der gerade auf Deutsch erschienen ist. „Libelle, Marienkäfer & Co.“ erzählt von den Insekten, von einer Million unterschiedlicher Arten. Die Norwegerin nennt es „beängstigend“, dass die Zahl der Insektenarten in Deutschland in den zurückliegenden 25 Jahren um 75 Prozent abgenommen hat. Die Rechte für das Buch aus Norwegen sind in 23 Länder verkauft worden.

Aber es geht um mehr. John Farndon, der Autor und Übersetzer aus England, macht klar, dass die Verlage das Thema Umweltzerstörung noch immer zu zögerlich angingen. „Die Verleger müssen begreifen, dass es einen Markt für Bücher gibt, die die Wahrheit sagen.“ Farndon dankt den Umweltaktivisten von „Extinction Rebellion“: Sie hätten dazu beigetragen, das Bewusstsein in der Buchbranche zu verändern. Stephanie Langner-Ruta vom S. Fischer Verlag in Frankfurt berichtet von den Anstrengungen, die Buchproduktion umweltfreundlicher zu gestalten, am Ende sogar klimaneutral. Die Gruppe von Kolleginnen und Kollegen im Verlag, die sich mit dem Thema beschäftigen, werde „die grünen Fische“ genannt.

Papier sei die „große Herausforderung“, sagt die Herstellungsleiterin von S. Fischer. Der Anteil der Bücher, die auf Recyclingpapier gedruckt werden, wächst. Ein großes ökologisches Problem ist der Transport der Ware in die Buchhandlungen. Und es gibt fortwährende Überproduktion. „Wenn wir könnten, würden wir nur die Bücher machen, die wir auch verkaufen“. Dem ist natürlich nicht so.

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