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Schwerpunkt Frankfurt: Verleger Gerd Fischer vom Mainbook-Verlag mit fast allem, was Hessen brauchen.

Hessische Verlage

Kleinverlage bringen die Autoren erst hoch

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    Kathrin Rosendorff
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Ob regional oder migrantisch ? jeder muss seine Nische besetzen.

An unserem Stand kommen wir dem Weltfrieden ein Stück näher“, witzelt Autor Thorsten Fiedler vor seinem neuen Radfahr-Buch „Der Sattel im Speckmantel“, das im Frankfurter „Mainbook“-Verlag (Halle 4.1, E32) erschienen ist. Sein Verlagschef Werner Fischer ist – klar, weil Frankfurter – Eintracht-Fan; Fiedler fiebert für die Kickers – als Offenbacher könne er ja gar nicht anders. Bei „Mainbook“ ist das Kalkül: Der Verlag will speziell für Autoren aus der Rhein-Main-Region eine Plattform sein. Für welchen Fußballverein deren Herz schlägt, spielt bei der Autorenwahl keine Rolle.

Dabei war eigentlich alles anders geplant: „Vor sieben Jahren wollte ich den Verlag nur für mich gründen, weil ich selbst Krimis geschrieben habe“, sagt Fischer. „Aber sobald man einen Verlag gründet, kann man sich vor Manuskriptzuschriften nicht retten.“ Das Alleinstellungsmerkmal seines Verlages sollte dann aber wenigstens der Fokus auf die Region sein, „weil es hier im Krimibereich ja kaum noch Verlage gibt“.

Krimis gibt es auch im Frankfurter Dryas-Verlag (Halle 3.0, E2), aber nur solche, die in Großbritannien spielen. Damit hat auch der rund 50 Bücher führende Kleinverlag seine Nische gefunden. Für kleinere, unabhängige Verlage sei das absolut notwendig, sagt Sandra Thoma vor den von deutschen Englandexperten geschriebenen Kriminalromanen, deren Cover schaurig-schöne Herrenhäuser im viktorianischen Stil zieren.

Die Frankfurter Verlegerin weiß, wovon sie spricht. Sie ist seit drei Jahren im Sprecherkreis der „Interessengemeinschaft Unabhängige Verlage“. Angedockt an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels gehören der Gemeinschaft rund 250 Verlage an, die nicht an größeren Konzernen hängen. Diese Lobby, so Thoma, sei schon deshalb notwendig, weil deren Arbeit oft nicht wertgeschätzt werde. „Dabei stecken gerade wir so viel Leidenschaft in unsere Arbeit, ohne zuerst zu überlegen, ob es sich rechnet.“ Außerdem seien es die Kleinverlage, die Autoren eine erste Plattform geben und damit hochbringen. „Und wenn sie gut sind, werden sie dann von den großen Verlagen gekauft.“

Zu den größeren Frankfurter Verlagen auf der Buchmesse gehört der R. G. Fischer Verlag (Halle 3.1, H86), der auf wissenschaftliche Sachbücher und Belletristik aus wissenschaftlicher Feder fokussiert. Inhaberin Rita Fischer feiert dieses Jahr das 40-jährige Bestehen ihres Verlages. Das rund 3000 Autoren führende Haus ist vollkommen in Privatbesitz, hat nach 40 Jahren aber keine Schwierigkeiten, sich in der Verlagswelt zu behaupten: „Wir haben gelernt, dass wir flexibel sein müssen, haben neue Trends wie das E-Book schnell erkannt und genutzt.“

Ein lustiges Selbstquiz „Welches Adjektiv bist du?“ hängt bei dem 2009 gegründeten Frankfurter Größenwahn-Verlag am Stand der Halle 3.1. „Wie will man Essen oder Sex ohne das passende Adjektiv beschreiben?“, fragt Verleger Sewastos Sampsounis und lacht. Über 200 Titel hat der kleine Verlag. „Die Hälfte aus der Region. Viele unserer Autoren haben Migrationshintergrund“, sagt er. Aber nicht alle: Unweit von ihm sitzt Autorin Susanne Konrad. In Bonn ist sie geboren und lebt seit 30 Jahren in Frankfurt. Genauso lang schreibt sie schon. „Aber ich habe sehr lange keinen Verlag gefunden. Und dann hörte ich 2013 zum ersten Mal vom Größenwahn-Verlag.“

Anfangs war sie noch sehr schüchtern, vermittelte erst mal den Verlag an den „Literaturclub der Frauen aller Welt“, den sie da noch als Vorsitzende betreute. Aber dann traute sie sich ein Jahr später, ein eigenes Manuskript vorzulegen: „Die Akademikerin“. „Da geht es um eine Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen ihrer Leidenschaft für ihre philosophische Arbeit und den Zwängen der realen Arbeitswelt. Das Buch war sehr ernst, also erreichte es so kein Millionen-Publikum“, sagt sie und lächelt.

Später hatte sie mehr Erfolg mit einer Anthologie mit anderen Autoren über die Frankfurter Stadtteile. „Frankfurter Einladung“ hieß dies. „Das ging gut über den Tisch.“ Nun hofft sie auf einen ebenfalls guten Anklang für ihre aktuelle Novelle „Die Liebenden von Wiesbaden“. Es geht um eine Frau Anfang 40, die sich in einen 22 Jahre älteren Mann verliebt. Obwohl ihre Mutter sie warnt, heiratet sie ihn, und sie bekommen Kinder. Eine zart-poetische Geschichte, sagt sie. Und ihr persönliches Happy End? „Schriftstellerin sein zu können, ohne dabei in finanziellen Nöten zu stecken, und mich mit meinen Themen nicht verstellen zu müssen.“ Momentan arbeitet Konrad auch als Autorenberaterin.

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