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Romanfabrik Frankfurt

Klaus Reichert über Paul Celan: Vom Unsagbaren

  • VonStefan Michalzik
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Ein Paul-Celan-Abend mit Klaus Reichert, Jens Herzer und Mitgliedern des Ensemble Modern in der Romanfabrik Frankfurt.

Ein Schwanken zwischen Verstehen und Nichtverstehen.“ Mit diesen Worten brachte Klaus Reichert etwas auf den Punkt: Die vermeintliche Unverständlichkeit ist ein stets gegenwärtiges Thema mit Blick auf die Lektüre des Werks von Paul Celan, so auch an diesem Abend mit dem Ensemble Modern und dem Schauspieler Jens Harzer in der Frankfurter Romanfabrik. Überschrieben mit dem Titel des Gedichts „Cello-Einsatz“, sollte es um Paul Celan und die Musik gehen.

Die wunderbaren Improvisationen des Trios um Eva Böcker am Cello, den Pianisten Hermann Kretzschmar und Dietmar Wiesner an den Flöten entsprachen in einer freien Weise jenen gespannten Atmosphären, die sich über die Gedichte Paul Celans vermitteln. Ein Höchstmaß an Zurücknahme kennzeichnete den – anders als bei Celan selbst – pathosfreien Vortrag von Jens Harzer.

Sehr ausführlich und nicht einen Moment uninteressant sprach Klaus Reichert – von 1967 an Celans Lektor bei Suhrkamp und zuletzt Autor und Herausgeber eines Bandes mit Erinnerungen und Briefen um seinen Freund – über eine Fülle von Aspekten zu Werk und Persönlichkeit. Mit Blick auf die kritische Rezeption über die Jahrzehnte hinweg sprach er von „den aberwitzigsten Interpretationen“; er selber habe sich dessen enthalten. Sehr triftig Reicherts Befund, man habe es mit Bildern für das Unsagbare, das nicht Darstellbare zu tun.

Celan und die Musik – dann doch schon beinahe ein Randaspekt dieses gleichwohl runden Abends. Celans Verhältnis zur Musik, besonders zu jener Bachs und Mozarts, war intensiv. Und natürlich entstanden viele Kompositionen auf seine Gedichte. Kanonisiert im Liedschaffen der Nachkriegsmoderne sind vor allem die zuerst von Dietrich Fischer-Dieskau gesungenen Vertonungen Aribert Reimanns. Selbst musiziert hat Celan nicht – sieht man einmal davon ab, dass Reichert zu berichten weiß von einem nächtlichen Gang zu seinem Hotel in Frankfurt, auf dem er nach zwei gemeinsam geleerten Flaschen Whiskey aus voller Kehle die Internationale und Eislers Solidaritätslied grölte.

In jungen Jahren hatte Celan mit den Frühsozialisten sympathisiert, später sich zu politisch fragwürdigen Figuren wie Jünger und Heidegger hingezogen gefühlt – vor dem Wechsel zu Suhrkamp, so Reichert, äußerte er zunächst Bedenken wegen des für politisch links geltenden Lektorats.

Die Romanfabrik in Frankfurt ist wieder für Publikum offen, aber die Veranstaltungen sind auch weiter als Stream abrufbar. www.romanfabrik.de

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