Bachmann-Preis

Klagenfurt ist abgesagt: Keine Chance

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

Die Klagenfurt-Absage verärgert Jury-Mitglieder.

Fünf der sieben Jury-Mitglieder haben die Absage des Klagenfurter Wettlesens um den Ingeborg-Bachmann-Preis jetzt vehement kritisiert. In einem offenen Brief an die Landesdirektorin des ORF Kärnten, Karin Bernhard, beklagen Klaus Kastberger, Michael Wiederstein, Insa Wilke und die beiden neuen Mitglieder Brigitte Schwens-Harrant und Philipp Tingler nicht die Absage als solche, sondern „dass für diese Ausnahmesituation keine Alternative gefunden wurde“. Eine solche sei aber denkbar gewesen, um „den Bewerb auch 2020 im Fernsehen stattfinden zu lassen“, in einer „mit den Ausgangsbeschränkungen zu vereinbarenden“ Form.

Gerade in der jetzigen Situation, heißt es weiter, wäre dies „ein Zeichen der Solidarität mit den Kulturschaffenden, aber auch mit den Kulturkonsumierenden gewesen, die alle gleichermaßen von dieser Krise betroffen sind.“ Nicht unterschrieben haben der Juryvorsitzende Hubert Winkels und Jurorin Nora Gomringer.

Für beide Seiten gibt es Gründe: Man kann sagen, dass nur ein Wettbewerb unter den vertrauten, irrwitzigen, wunderbaren Saalbedingungen das Original ist. Davon abzugehen, könnte das Konzept künftig aufweichen. Trotzdem treffen Absagen derzeit eine verletzliche und verletzte Branche tief. Selbst die verknautschte Überreichung der Preise der Leipziger Buchmesse im Radio war eine Freude. Jede weitere Absage (wie die des ersten Deutschen Sachbuchpreises) lähmt noch mehr.

Dass die Rücksprache von ORF und der Stadt Klagenfurt mit der Jury offenbar gleich null war, ist fantastisch. Sind ja bloß die Hauptakteure.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare