+
Der Hund in Eoin Colfers Buch hat das Bellen eingestellt, weil Menschen es ihm brutal ausgetrieben haben.

Kinderbücher

Kinderbücher-Empfehlungen: Viel zu stille Hunde und viel zu laute Jungen

  • schließen

Neue Kinderbücher von Eoin Colfer und Jutta Nymphius führen in prekäre, keineswegs unrealistische Lebenssituationen.

Hund oder Vater.  Der irische Schriftsteller Eoin Colfer, dessen treueste Anhänger inzwischen erwachsen sind – seine „Artemis Fowl“-Reihe erschien ab 2001 – schreibt diesmal für Kinder, die noch nicht lange lesen können. „Der Hund, der sein Bellen verlor“ ist in der Tat so packend erzählt, dass auch ungeübte Leser dabeibleiben wollen.

Colfer, Jahrgang 1965, konzentriert sich auf die Perspektive des Hundes, der nach seinem schweren Start ins Leben kein Vertrauen mehr für Menschen aufbringen kann. Das verschreckte Tier landet nun ausgerechnet bei Patrick, der selbst in einer schwierigen Lebensphase steckt. „Es war der beste Sommer in Patricks Leben“, schreibt Eoin Colfer. 

Eoin Colfer: Der Hund, der sein Bellen verlor. A. d. Engl. von Ingo Herzke. Orell Füssli, Zürich 2019. 142 S., 12,95 Euro.

„Es wäre ein absolut perfekter Sommer gewesen, wenn Patricks Vater da gewesen wäre.“ Der Hund hat das Bellen eingestellt, weil Menschen es ihm brutal ausgetrieben haben. Der Vater von Patrick hat den Kontakt zur Familie eingestellt – angeblich, weil er auf Konzerttournee mit seiner Band ist. Der Hund erlangt langsam Mut, sich in seinem neuen Umfeld hervorzuwagen. Doch Patrick unterläuft das schreckliche Missverständnis, dass das Verschwinden des Vaters mit dem Hund zu tun haben könnte – und er sich entscheiden müsste. Diese psychologisch klug konstruierte Geschichte löst starke Gefühle aus, und sie wird nicht nur Hundeliebhabern zu Herzen gehen. Ab acht Jahren.

Freund oder Feind.  Jutta Nymphius hat Erfahrung darin, für junge Leserinnen und Leser zu erzählen. Diesmal wendet sich die Autorin einem rauen Thema zu. Es geht um Kay, der anscheinend Spaß daran hat, andere Kinder zu terrorisieren, der sogar jüngere schlägt, wenn sie ihm zufällig im Weg sind. Dass er sich damit auf einer Schiene befindet, die er nicht mehr leicht verlassen kann, ahnt die Lehrerin, die seinen Schulausschluss verhindert. Kay bekommt von ihr als letzte Chance eine Aufgabe: Er soll sich um die Neue aus der Klasse kümmern, ein lernbehindertes Mädchen, das ihm offen und zutraulich begegnet – aber nach Ansicht von Kays bestem Kumpel einfach nur blöd ist.

Jutta Nymphius: Schlägerherz. Tulipan, München 2019. 144 S., 13 Euro.

„Schlägerherz“ erzählt den schwierigen Weg eines Jungen zurück zu sich selbst. Denn natürlich hat es Gründe, dass er so ein brutaler Typ geworden ist. Doch Jutta Nymphius, Jahrgang 1966, versteht es, Kays widerstrebende Gefühle aufzudröseln. Sie legt nicht einfach nur einen Schalter um, sondern zeigt sein Umfeld und seine Entwicklung. Überzeugend wirkt die psychologische Seite dieser Geschichte auch deshalb, weil die Autorin das Mädchen Greta nicht als Sonnenscheinchen schildert, sondern durchaus verständlich macht, wie anstrengend es ist, sich für sie einzusetzen. So schnell sich dieses Buch lesen lässt, so viel länger muss man darüber nachsinnen. Ab zehn Jahren. 

Shortlist: Jackie Thomae schreibt über „Brüder“ – von Müttern, Vätern und Söhnen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion