1. Startseite
  2. Kultur
  3. Literatur

Von Killern und Killern der Killer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Mit diesen Kriminalromanen kommt man in den USA auch ganz schön rum.
Mit diesen Kriminalromanen kommt man in den USA auch ganz schön rum. © REUTERS

Drei so schlanke wie rasante und actionreiche Kriminalromane von Urban Waite, Chris Holm, Simone Buchholz.

Gaunervater und Sheriffsohn Was bleibt einem Sohn anderes übrig, als den nach Jahren just aus dem Gefängnis entlassenen Vater vorerst – im Kinderzimmer – zu beherbergen? Beim Drogenschmuggel über die Berge wurde Patrick Drake einst erwischt, damals übte er noch jenen Beruf aus, in den ihm sein Sohn Bobby gefolgt ist. Ex-Sheriff Patrick schwört, geläutert zu sein. Bobby hat seine Zweifel. Und ist nicht der einzige – denn immer noch ist ein großer (Drogen-)Geldbetrag verschwunden. Der Amerikaner Urban Waite erzählt in „Keine Zeit für Gnade“ („Sometimes the Wolf“) aber nur bedingt eine Geschichte davon, dass Blut dicker ist als Wasser. Den Luxus, sich in Ruhe zu überlegen, wie er es mit seinem Papa in Zukunft halten will, hat Bobby nicht mehr, als ehemalige, äußerst unzimperliche Komplizen auftauchen, die auch noch Bobbys hochschwangere Frau bedrohen (deswegen das bereits hergerichtete Kinderzimmer). Waites Western-Thriller startet sanft – Deputy Drake hat Zeit, Wilderern aufzulauern und mit der jungen netten Ellie von der Jagd- und Fischereiaufsicht zu flirten – gewinnt aber bald sehr an Fahrt und Dramatik bis zu einem ziemlichen Showdown. Patrick Drake ist (und bleibt) darin eine schillernde, undurchsichtige Gestalt – das Misstrauen ist nicht nur auf Seiten des Sohnes, sondern auch der Leserin. Waite schreibt unprätentiös, schlank, aber nicht unpoetisch.

Auftragskiller und Auftragskiller-Killer Auch Waites Landsmann Chris Holm schenkt sich die Poesie nicht ganz, obwohl er noch eine Schippe Härte drauflegt. Ein interessantes Geschäftsmodell lässt er sich für seine „So was von tot“-Hauptfigur Michael Hendricks, früher Elitesoldat, einfallen: Menschen, die von Auftragskillern der Mafia oder anderer Organisationen bedroht sind, bietet er an, den jeweiligen Auftragsmörder auszuschalten – gegen Bezahlung selbstverständlich. In der Regel, so versichert er seinen, nun ja, nicht ganz freiwilligen Kunden, wird dem freischaffenden Killer kein zweiter hinterhergeschickt. Sein Job funktioniert schon eine ganze Weile bestens, nur eine Bundespolizistin namens Charlie Thompson ist der Meinung, dass es einen Killer killenden „Geist“ geben muss. Und den Auftraggebern wird es natürlich auch irgendwann zu blöd: Sie setzen einen Killer auf Hendricks an. Das alles ist so munter und mörderisch verschachtelt, wie es sich liest. Holm plant so sorgfältig wie sein Held, ein intrikates Spiel des Ausspionierens und Belauerns wird jeweils vollzogen. Und damit es nicht ganz so kühl konstruiert wirkt (freilich sind auch so gut geölte Action-Rädchen reizvoll), ist hier ebenfalls am Ende die Frau bedroht, die der mutige Killer-Killer liebt.

Auftragskiller und Staatsanwältin Chastity Riley ist zur Opferschutzbeauftragten degradiert, seitdem sie einen Vorgesetzten der Korruption überführt hat. Das bedeutet: als ein furchtbar zusammengeschlagener Mann im Krankenhaus landet, muss die Staatsanwältin versuchen, ihm Angaben zu den Tätern zu entlocken. Seltsamerweise ist der keineswegs scharf darauf, die Polizei einzuschalten. Handelt es sich doch um einen (Ex-)Auftragskiller, der gewisse Differenzen im Milieu allein austragen will – zunächst. Simone Buchholz, Hanauerin, die mittlerweile in Hamburg lebt, hat sich mit der rauchenden, trinkenden, gut mit Freunden ausgestatteten Chastity Riley eine beherzt-schnodderige Figur ausgedacht. Dazu einen Kreis der Charakterköpfe, Ex- und Noch-Polizisten, Ex- und Noch-Gauner. Dazu eine schöne Kneipe namens „Blaue Nacht“. Besonders aber gefällt der frische, freche, klischeefreie Ton des Romans. Diese Prosa dreht auch mal Schleifen, aber sie tut es nicht ohne guten Grund. Nicht umständliche Rückblenden erklären die Vorgeschichte, sondern Erinnerungen einzelner Figuren, die auch mal nur sechs oder sieben Zeilen lang sind. Mit diesem Krimi kommt man gut durch jede blaue Nacht.

Auch interessant

Kommentare