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Keine Ostalgie

Erinnerungen an eine Kindheit in der DDR

Von TINKA WOLF

Deutschland schwelgt in "Ostalgie": Im Fernsehen läuft eine DDR-Show nach der anderen, und T-Shirts mit DDR-Flagge sind in. Den Ausspruch "wie zu DDR-Zeiten" hört man sogar von Jugendlichen, die erst nach der Wende zur Welt gekommen sind. Doch was wissen Jugendliche in Deutschland heute eigentlich über die DDR?

Diese Frage hat sich auch Susanne Fritsche gestellt. Die junge Autorin, die selber bis zu ihrem zehnten Lebensjahr in der DDR lebte, hat recherchiert und in alten Kisten gekramt. Das Ergebnis ihrer Recherchen ist ein Sachbuch für Jugendliche mit dem Titel Die Mauer ist gefallen - Eine kleine Geschichte der DDR.

Die Betonung des Buches liegt auf den negativen Aspekten der DDR. Denn bei allen positiven Rückblicken will die Autorin das Negative nicht in Vergessenheit geraten lassen. Mauerbau und Warenknappheit waren ebenso Teil des DDR-Alltags wie Trabi und Sandmännchen.

An Die Mauer ist gefallen fällt die klare Struktur auf: Geschichte und Wirtschaft sowie dem Mauerfall sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Hinzu kommt ein Kapitel mit persönlichen Berichten der Autorin und eines über die Aufarbeitung von Stasi-Unterlagen. Nun gehört das Lesen von Sachbüchern, und seien sie noch so klar strukturiert, kaum zu den Hobbys von Durchschnitts-Jugendlichen. Also muss ein Sachbuch-Autor sich einiges einfallen lassen, damit es spannend wird. Susanne Fritsche hat einen Vorteil: Mit 24 Jahren hat sie ihre eigene Jugend gerade erst hinter sich. Deshalb kann sie auf den belehrenden Tonfall mancher Erwachsener verzichten. Sie erzählt mit großer Ernsthaftigkeit, was sie über ihre Heimat weiß.

Schwierige Begriffe wie "Planwirtschaft" oder "Demarkationslinie" werden in kleinen Blöcken unter dem eigentlichen Text erläutert, dadurch entfällt das lästige Blättern zum Glossar. Die vielen Bilder, von Skizzen einer Grenzanlage bis hin zu Pionierausweisen und Zeugnissen veranschaulichen das Erzählte. Besonders beeindruckend: eine Ausreisestatistik in Form von Strichmännchen.

So viel Anschaulichkeit lockert den Text auf. Denn die Autorin behält ihren sachlichen Tonfall selbst in ihren persönlichen Berichten bei; nur selten bringt sie Emotionen ins Spiel. "In der DDR wurden gezielt Feindbilder aufgebaut", berichtet sie. "Mit der Idee des Sozialismus, der mich zu Frieden und Solidarität erziehen sollte, hatten diese Gedanken des Hasses wenig zu tun." Wie verwirrend diese Diskrepanz zwischen Ideologie und Alltag für sie selbst gewesen sein muss, erfährt man kaum.

Es ist also nicht die persönliche Ebene, die in diesem Buch überzeugt. Viel beeindruckender ist die Kompetenz und Ernsthaftigkeit der jungen Autorin. Sie hat sorgfältig recherchiert und damit ihr eigenes, großes Interesse am Thema unter Beweis gestellt.

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