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Boualem Sansal, regimekritischer algerischer Autor,  lebt weiterhin in seinem Heimatland.
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Boualem Sansal, regimekritischer algerischer Autor, lebt weiterhin in seinem Heimatland.

Friedenspreis für Sansal Boualem

Keine Angst haben

Leidenschaftlicher Erzähler und Förderer der Begegnung von Kulturen: Der in Algerien lebende Schriftsteller Boualem Sansal bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Leidenschaftlicher Erzähler und Förderer der Begegnung von Kulturen: Der in Algerien lebende Schriftsteller Boualem Sansal bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Nach dem Jahr 2000, damals wurde die Schriftstellerin Assia Djebar geehrt, ist Boualem Sansal der zweite algerische Autor, der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. Zunächst einmal ist das eine unverschleiert politische Wahl. Der Börsenverein wolle damit „ein Zeichen setzen für die Demokratiebewegung in Nordafrika“, ließ sein Vorsteher Gottfried Honnefelder am Donnerstag mitteilen.

Aber eine besondere Wahl ist es doch auch: Sansal dürfte einer der letzten, wenn nicht der letzte bekannte algerische Schriftsteller sein, der noch in seiner Heimat lebt. Im Gespräch war er zuletzt, als er sich mit einiger Heftigkeit gegen Frankreichs Voranpreschen im Militäreinsatz gegen Libyen wendete. Frankreichs Bild in der arabischen Welt, so Sansal, sei „katastrophal“, jedoch habe das Land dort „enorme Interessen“.

Zurück zur Moral

Nun versuche es mit Gewalt, seine Glaubwürdigkeit aufzupolieren. Dass Sansal auch Europa eine Revolution wünscht – weg von der Dominanz des Marktes, zurück zur „Moral“ –, hinderte ihn nicht daran, den arabischen Frühling mit Skepsis zu betrachten: Wandel sei nötig, aber schwierig. In den Ländern, in denen Diktatoren gestürzt worden seien, herrsche Euphorie, „aber es ist eine romantische Phase, ein bisschen wie im Roman“.

Den Erzähler Sansal würdigte der Börsenverein als einen, der „geistreich und mitfühlend die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen“ befördere. Sein Blick richte sich „nicht nur auf die Heimat, sondern auf die ganze heutige Welt“. Tabus scheut er dabei nicht, im Gegenteil. In seinem Roman „Das Dorf der Deutschen“ – wie etliche anderer seiner Bücher auf Deutsch im Merlin-Verlag in Gifkendorf zu haben – machte er vor zwei Jahren die mögliche Beteiligung ehemaliger SS-Leute in der algerischen Befreiungsbewegung zum Thema.

Wer dem Islamismus Einhalt gebieten wolle, so Sansal 2009 im Interview, setze sich besser auch mit dem Nationalsozialismus auseinander (über den die arabische Jugend praktisch nichts wisse).

Erst spät kam Sansal zum Schreiben. 1949 in dem algerischen Bergdorf Teniet el-Had geboren, studierte er Ingenieurswesen und Wirtschaft, arbeitete lange im Industrie-Ministerium. 1999 erschien sein erster und in Frankreich gleich preisgekrönter Roman, „Der Schwur der Barbaren“.

Das ist eine Art Politkrimi, der Einblicke ins algerische System aus erster Hand bietet, freilich in Paris erscheinen musste. Anders als sein unter dem Namen Yasmina Khadra berühmt gewordener Landsmann lehnte Sansal es ab, ein Pseudonym zu verwenden. Die Veröffentlichung des Romans in Algerien brachte ihm die Beurlaubung von seiner Arbeit.

Abrechnung mit dem Regime

Es folgten weitere Romane, vor allem dann aber 2006 die Schrift „Postlagernd: Algier. Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute“. Darin rechnet Sansal mit dem algerischen Regime ab, fordert eine „wahrhaftige Demokratie“, nennt beim Namen, worüber nicht gesprochen wird (Korruption, die „arabische Zwangskultur“, die Minderheiten ausschließe). Nicht nur setzten die algerischen Behörden – wie der Börsenverein berichtet – seine Bücher daraufhin auf den Index. Sondern es wird noch eindrucksvoller, mit welcher Beharrlichkeit Sansal an seinem Wohnort Bourmerdès in der Nähe von Algier festhält, wo er mit seiner Frau und zwei Töchtern lebt.

Den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis erhält Sansal am 16. Oktober in der Frankfurter Paulskirche – einen Tag nach seinem 62. Geburtstag. (ith)

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