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Kein Stier sieht rot

Astrid Jahn bekennt Farbe: vom Purpurrot der Schildläuse, über Napoleons grünes Schlafzimmer, bis zu Yves Kleins einsamem Blau

Von FRITZ WOLF

Der Stier sieht rot? Keine Rede davon. Das Rot ist ihm egal, er sieht es nicht. Der Torero könnte auch "mit einem violetten Tuch mit grünen Tupfen" vor seiner Nase herumwedeln. Der Stier hat es nicht so mit den Farben. Astrid Jahn, eine Malerin, dagegen schon. In Rot, Blau, Gelb - Wie kommen die Farben in die Welt durchwandert sie mit schnellem Schritt die Welt der Farben. Dabei kommt in dem Büchlein aus der verdienstvollen Rotfuchs-Reihe Science & fun die Wissenschaft nicht zu kurz. Lichtspektrum, Wellenlängen, unser Wahrnehmungsapparat und die Absorption des Lichts erklärt sie auf einfache, eingängige Weise. Wer es unbedingt wissen will, erfährt auch, dass der Fangschreckenkrebs über zwölf Farbrezeptoren verfügt und sich vermutlich über die drei mickrigen Farbrezeptoren im menschlichen Auge kaputt lachen würde.

Farben sind allgegenwärtig. In unserer Umwelt und in unserer Sprache, in der wir uns manchmal schwarz ärgern und vor Neid gelb werden. Farben begründen die Geschichte des Sehens und des Malens. Die Autorin rückt die Kunstgeschichte ins Blickfeld, von den ersten Höhlenmalereien aus Erdfarben bis zum "einfarbigen Yves", dem Maler Yves Klein und seinem ultramarinblauen Werk. Sie verweist auf unterschiedliche kulturelle Wertungen der Farbe, von der chinesischen Zentralfarbe Gelb bis zum sanften Grün des Islam.

In leichtem Ton verknüpft die Autorin kleine Geschichten mit interessanten Informationen. Man lernt etwas über den Unterschied zwischen Licht- und Pigmentfarben. Oder dass Giftgrün nicht bloß ein Farbwert war, sondern auch eine Gefahr: Napoleon soll an den Arsen-Ausdünstungen in seinem grünen Schlafzimmer auf St. Helena gestorben sein. Auch "Schönfärber" kommen von weit her. Gauner, die billige Stoffe mit teuren Farben aufmotzten, gab es im Mittelalter schon ebenso wie "Schwarzmaler", die mit Gallapfeltinte den Mönchen die Kutten färbten.

In Astrid Jahns Buch sind sie alle beisammen, die Erdfarben und das Purpurrot der Schildläuse, die lila Milkakuh und die rosa Barbie, Hundertwassers Müllverbrennungsanlagen und Marc Chagalls Kirchenfenster. Farben treten, außer bei Yves Klein, nicht gern alleine auf, schreibt Astrid Jahn: "Oft könnt ihr Farben mit anderen zusammen antreffen. Das ist dann kein Kaffeeklatsch, sondern eine Farbkombination". Eine Art Farbenklatsch also.

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