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Terminator des Semikolons: Philippe Dijan.
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Terminator des Semikolons: Philippe Dijan.

Philippe Djian im Literaturhaus Frankfurt

Nur kein Lesekomfort

  • Franziska Schubert
    VonFranziska Schubert
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Der französische Schriftsteller Philippe Djian nimmt auf seiner Lesung im Frankfurter Literaturhaus kein Blatt vor den Mund und gibt sich betont locker. So ganz nimmt man ihm diese Lockerheit aber nicht ab.

In Frankreich zählt Philippe Djian zu den heiß diskutierten Autoren der Saison. Jüngst erschien bei Gallimard „Oh“, der innere Monolog einer vergewaltigten Frau, die den Täter nicht anzeigt, sondern Kontakt zu ihm aufnimmt: Stoff, der einer Elfriede Jelinek würdig wäre. Im Frankfurter Literaturhaus, das Djian anlässlich der Europa-Kulturtage besuchte, entzündet sich jedoch keine hitzige Debatte, was womöglich auch der Absage von Virginie Despentes geschuldet ist, einer feministischen Autorin und Filmemacherin („Baise-moi“), die als große Verehrerin Djians gilt. Stattdessen lenkt Moderatorin Sandra Kegel das Gespräch in bekannte Bahnen: das Primat des Stils über den Inhalt, eins von Djians Lieblingsthemen. „Es gibt kein schlechtes Genre, nur schlechte Schriftsteller“, sagt der 63-jährige Autor und mokiert sich darüber, die Académie Française habe einen so schwachen Roman wie den des Schweizers Joël Dicker ausgezeichnet („La vérité sur l’affaire Harry Quebert“). Überhaupt gelte es, die Literatur nicht so ernst zu nehmen, sagt Djian und dankt den Zuhörern, dass sie bei der Lesung aus „Die Rastlosen“ (2012) gelacht haben - eine Passage, in der der gescheiterte Autor und Creative-Writing-Dozent Marc mal wieder hinter einer seiner Studentinnen her ist.

Djian will die Sprache entstauben

Diese vermeintliche Lockerheit im Umgang mit Literatur nimmt man Djian - dem zugute zu halten ist, dass seine Hauptfiguren mit ihm gealtert sind – nach seinen anfänglichen Einlassungen allerdings nicht ab. Scherzhaft bezeichnete er sich da rückblickend auf seine rund 30-jährige Schreibtätigkeit als „Terminator des Semikolons“. Die Sprache zu entstauben (indem er beispielsweise das Semikolon ausmerzt) und sie damit lebendig zu halten, sieht Djian als seine Aufgabe an. Auch Komfort wie den, Romane in Kapitel aufzuteilen, dürfe es in unserer Zeit nicht mehr geben. Für ihn gibt es beim Schreiben „keine Kompromisse“. Es sei ein großes Risiko, einen Satz später korrigieren zu wollen. „Wenn eine Ader im Kopf platzt, werden andere doch denken, das soll sein letzter Satz gewesen sein.“ Überraschenderweise stört Djian anderseits ein so gravierender Eingriff wie bei der Verfilmung von „Die Leichtfertigen“ – die Handlung wurde vom Baskenland nach Venedig verlegt - überhaupt nicht. Am Ende stehen viele Schlange, um eine Widmung zu ergattern. Die Gelegenheit scheint günstig, und so mancher legt Djian, der beflissentlich signiert, gleich mehrere Werke vor, eine Frau hat sogar eine zerlesene Ausgabe seines Frühwerk „Betty Blue“ dabei.

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