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Geert Maks schreibt in seinem Buch "Was, wenn Europa scheitert" von "fatalen Konstruktionsfehlern".
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Geert Maks schreibt in seinem Buch "Was, wenn Europa scheitert" von "fatalen Konstruktionsfehlern".

EUphorie

Kein Boden unter den Füßen

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Geert Mak zeigt in "Was, wenn Europa scheitert", dass die europäische Krise nicht neu ist. Genaugenommen, begann die prekäre Situation schon vor Jahrtausenden - mit dem Abstieg Europas vom Stier.

Europa ist weiterhin eine sagenhafte Attraktion, man möchte sie direkt stehlen. Und der Raub war ja in der Tat ein göttliches Projekt. ?Mutmaßlich deshalb hat Geert Mak den „Raub der Europa“ auf den Umschlag seines Europabuches gebracht, ein antikes Bildnis auf eine aktuelle Streitschrift. Auf dem alten Bild sitzt die von Zeus Entführte soeben ab vom Stier, in dessen Gestalt der Gott geschlüpft war, um die Königstochter zu verschleppen. Europa hat noch keinen Boden unter den Füßen gewonnen. So zeigt das Bild, ein römisches Fresko, Europa in einem prekären Schwebezustand. Europa ist noch nicht angekommen in Europa. Und so könnte man fortfahren – zumal in Bildern und Metaphern auch Maks Buch zunächst spricht, von einem „finanziellen Waldbrand“, von „schwerer See“. Es fehlt nicht die Titanic-Metapher. Möglich, dass das Menetekel den Leser aufrütteln soll, zumal, so Mak, die Krise etwas Abstraktes hat. Ist das Abstrakte angekommen unter den Europäern? Dann wird der niederländische Journalist und Historiker konkret, schreibt er doch, dass mit der Eurokrise „am Ende doch noch der Preis für die deutsche Wiedervereinigung“ bezahlt werde. Während Frankreich das Nachbarland bei der Wiedervereinigung unterstützt habe, habe sich Deutschland „im Gegenzug bereit erklärt, die eigene harte D-Mark aufzugeben.“

Miserable Deutschlandbilanz

Maks Deutschlandbilanz fällt miserabel aus, ist doch Deutschland für ihn immer schon ein Krisengewinnler gewesen. Weit entfernt von dem „Enthusiasmus“ der EU-Gründerväter, verhökern in Brüssel und Frankfurt Strippenzieher und Spitzbuben ein großes Erbe. In den Ideologen des freien Marktes sieht er Zyniker mit einer „erstaunlichen Verachtung für die einfache menschliche Existenz“; Maks Empörung darf man als eine Art EU-Humanismus bezeichnen. Die Tatsache, dass „das Schicksal ganzer Nationen in den Händen einiger New Yorker Rating-Agenturen liegt“, nennt er strukturelle Gewalt, die Anmaßungen der Ökonomie gegenüber Politik und Gesellschaft einen „Putschversuch“.

Brüssel und Frankfurt sind für Mak die Chiffren für eine Supermacht im Zentrum Europas – eines deutschen Europas. Die Alternative für Deutschland müsste ein europäisches Deutschland sein, doch wie soll das geschehen in einem Land ohne stabile Europa-Emphatie, das Europa allenfalls als „Hinterland“ betrachtet. Was Mak in den Raum stellt, hat einen bösen Echoraum: Ausbeuterland Deutschland.

"Kunstfehler" belasten den Euro

Drei „fatale Konstruktionsfehler“ belasten den Euro: die mangelnde demokratische Legitimation, die mangelnde demokratische Kontrolle – nicht zuletzt eine fehlende Exit-Strategie. Was, wenn Europa scheitert? Maks Antwort auf die selbstgestellte Frage: Benzinknappheit, Hyperinflation, keine Auszahlung von Gehältern und Renten, blockierte Konten – von den Folgen für eine leidliche soziale Stabilität, Sicherheit und Frieden gar nicht zu reden. Zu Beginn, auf dem Buchumschlag, versucht die entführte Europa Boden unter die Füße zu bekommen. Das Bild stammt, was das Buch übergeht, von einem Fresko im untergegangenen Pompeji. Man könnte jetzt anfangen zu unken – oder aber die sagenhafte Mobilität der Mythen preisen. Mit dem Abstieg vom Stier begann die prekäre Situation Europas. Vor Jahrtausenden fing das an.

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