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Kayo Mpoyi: „Mai bedeutet Wasser“ – Das Kind, das sich Gott ausdachte

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Die tansanische Hafenstadt Daressalam heute: Am Ende steht Adi wohl der Abschied bevor.
Die tansanische Hafenstadt Daressalam heute: Am Ende steht Adi wohl der Abschied bevor. © Matthias Benirschke/dpa

Jung sein in Daressalam: „Mai bedeutet Wasser“ von Kayo Mpoyi.

Kayo Mpoyis „Mai bedeutet Wasser“ war ein großer Erfolg in Schweden, und man versteht nach wenigen Seiten, warum. Ein klassischer Debütroman, der aus dem Leben und aus einem individuellen und familiären Erfahrungshorizont schöpft (ohne autobiografisch zu sein), und die Autorin hat zudem die literarischen Mittel dafür. 1986 wurde sie in der heutigen Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire) geboren, wuchs zunächst in Tansania auf, als Zehnjährige kam sie nach Schweden. Auch dem Kind Adi steht am Ende wohl der Abschied von Daressalam bevor. Die mittelständischen Eltern fromm, ehrgeizig und konservativ, der Vater ein extremer Hobby-Linguist, die Kinder frech, wie Kinder sind. Im Prototypischen, in dem sich viele Familien dieser Welt wiederfinden werden, gelingt es Mpoyi mit immenser Leichtigkeit, ihr Personal lebendig und seine Vorstellungswelt sichtbar zu machen.

Buchinfo

Kayo Mpoyi:: Mai bedeutet Wasser. Roman. A. d. Schwed. v. Elke Ranzinger. Culturbooks. 263 S., 20 Euro.

Ein fragiler, wie in vielen konservativen Konstellationen auf Verschwiegenheiten aufgebauter Frieden liegt über den Schulkindern, die viel älteren Geschwister sind aus dem Haus. Die allerjüngste Tochter, ein Neugeborenes, ist von Anbeginn an kränkelnd und krank, den Vornamen Mai trägt sie, um einen Familienfluch abzumildern – alte Geschichten schwirren durch den Roman, zwang- und nahtlos in die Handlung eingefügt. Die ältere Tochter bringt mit einer Teenagerschwangerschaft den Vater zur Raserei. Erzählerin Adi, neun, wird von einem Nachbarn so beiläufig missbraucht, dass man die Dimension und Dauer erst begreifen muss. Sie stellt sich Gott an die Seite, um darüber sprechen zu können, helfen kann er ihr nicht. Auch Adi hat Angst, schwanger zu werden. „Wie fühlt sich das an, wenn ein Kind ein Kind kriegt. Ist es dasselbe, wie wenn Mamas Kinder kriegen?“

Und dann das Ziel Europa

Zunehmend bricht das Tragische ein, vielleicht der Fluch, gewiss die politische Unruhe. Die Geschwister suchen ihr Glück in Südafrika, setzen auf eine Passage nach Europa. Adi, altklug: „Nach Europa geht man, wenn man erfolgreich ist.“ Ein Bruder, eben noch vom Vater verdammt, ertrinkt vermutlich bei der Überfahrt nach Spanien, Trauer und die Verzweiflung der Ungewissheit verzehren die Eltern. Und doch ist „Mai bedeutet Wasser“ ein Buch über Hoffnung, ein heiteres, lebenszugewandtes.

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