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Frostenson bei einem Gerichtstermin, November 2018.

Literatur

Katarina Frostenson lässt uns nicht

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Ein Versuch, die jetzt erschienene Erzählung „K“ einzuordnen.

Vor einer Woche erschien im schwedischen Verlag Polaris die Erzählung „K“ der Dichterin Katarina Frostenson. Auf dem Umschlag sieht man in der Darstellung von Eugène Delacroix Jakob mit dem Engel kämpfen, das Wandgemälde aus der Pariser Kirche Saint-Sulpice. Jakob, der biblische Bruder Esaus, der anderen oft geschadet hat, wird nachts von einem Unbekannten angefallen und ringt mit ihm bis zum Morgen. Als der Fremde den Kampf beenden will, stellt Jakob die Bedingung: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Und er ringt dem Engel, der vielleicht sein eigener Teufel ist, tatsächlich den Segen ab.

Auch der Mann der Schriftstellerin Frostenson, die bis Januar 2019 Mitglied der Schwedischen Akademie war, die die Literaturnobelpreise vergibt, hat Menschen geschadet. 18 Frauen haben dem Fotografen Jean-Claude Arnault im November 2017 sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Inzwischen wurde er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und einer Geldzahlung verurteilt. Auch soll er die Namen von Preisträgern vorab verraten haben, wobei hier wohl Frau Frostenson zu Diskretion verpflichtet gewesen wäre.

Die Vorwürfe gegen Arnault und Frostenson führten 2017/18 zu einer schweren Krise der Akademie, in deren Verlauf sich Frostenson von der Öffentlichkeit gejagt gefühlt hat, wie sie in ihrer tagebuchartigen Erzählung jetzt beschreibt. Die Frauen hätten gelogen, alles sei eine einzige Intrige. „Man wird geprüft“, sagte sie in einem Interview mit dem Verlag. „Und man muss sehen, ob man diese Prüfung besteht.“

War auch Jakobs Kampf gegen den Engel eine Prüfung? Katarina Frostenson hält der Welt mit diesem Buch durchaus ein „Ich lasse dich nicht!“ entgegen. Allerdings sind sie und ihr Mann in diesem Kampf erwiesenermaßen keine Sieger. Um ein Haar wäre das Fresko von Delacroix im März bei einem Anschlag auf die Pfarrkirche Saint-Sulpice übrigens verbrannt.

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