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Freut sich auf ein Gastland, das für die Akzeptanz des Diversen und der Multikulturalität steht: Juergen Boos.

Frankfurter Buchmesse 2020

Kanada als Gastland der Buchmesse: Was die Politik nicht kann

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Kanada ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2020 – und nicht nur das.

Das Gebäude der kanadischen Botschaft in Berlin ist deshalb so schön, weil dort die Natur immer anwesend ist. Auch, wenn in einem Konferenzsaal Reden gehalten und Filme gezeigt werden, bleibt der Wasserfall in der Mitte des Gebäudes am Leipziger Platz in einem breiten flachen Fenster sichtbar. Am späten Donnerstagvormittag stellten Kulturbotschafter aus Kanada und eine Reihe deutscher Veranstalter das kanadische Kulturprogramm in Deutschland für die erste Jahreshälfte vor.

Kanada ist Gastland der Messe im Oktober. Deren Direktor Juergen Boos schilderte, dass die Idee dafür schon vor vielen Jahren entstanden, zunächst aber nicht so leicht umzusetzen war: Die Vielfalt, die nun Programm sein soll, bedeute eben auch, dass der französisch- und der englischsprachigen Verlegerverband davon gleichermaßen überzeugt sein müssen. Der Buchmarkt ist, ebenso wie das wie das 1867 für unabhängig erklärte Land, noch relativ jung. Rund 260 Verlage publizieren auf Englisch, mehr als 100 auf Französisch. Juergen Boos zeigte sich erfreut, dass nun ein Land sich in Deutschland präsentiere, das für die Akzeptanz des Diversen und der Multikulturalität stehe.

Das soll offenbar schon das Motto des Gastlandauftritts zeigen, „Singular Plurality/Singulier Pluriel“ lautet es, übersetzbar als „Einzigartige Vielfalt“. Dazu gehört, Reisende werden es wissen, die Natur. Carolyn Warren, die Generaldirektorin des Canada Council fort he Arts, kündigte an, die Verständigung der Künste quer durch die Provinzen „from coast to coast to coast“ vorführen zu wollen, also von Küste zu Küste zu Küste.

Das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde hat ja nur eine Landesgrenze, die zur USA, wird ansonsten vom Pazifik als auch dem Atlantik und noch vom Arktischen Ozean umschlossen. Kein Wunder, dass Kanadier in ihrer Botschaft wenigstens ein bisschen Berliner Wasser fließen lassen. Carolyn Warren pries die Fähigkeit der Künste und Künstler, Menschen ins Gespräch zu bringen. „Sie können etwas erreichen, was die Politik nicht schafft. Sie greifen Fragen auf, die andere fürchten. Deshalb ist uns die Freiheit der Kunst so wichtig.“

Der Ehrengastauftritt zieht sich hier nun von der Nordseeküste bis zu den Alpen, wobei der Osten allerdings etwas vernachlässigt wird. Bereits in Berlin zu sehen sind hier zwei Ausstellungen Bildender Künstler aus Kanada (Julia Stoschek Collection, Zentrum für Kunst und Urbanistik Berlin), am Freitag beginnt das CTM-Festival mit starker kanadischer Präsenz.

Fast an der Nordsee gastieren die kanadischen Musiker auf dem Jazzahead-Festival Bremen, der Kunstverein Hannover freut sich auf eine Schau des Teilnehmers der jüngsten Biennale von Venedig Jon Rafman, in München sind kanadische Beiträge auf dem DOK.fest präsent. Das Theater der Welt wird in Düsseldorf über die Bühne gehen.

Und was, bitte, ist mit der Literatur? Was ist mit Margaret Atwood, Paulette Bourgeois und Michel Tremblay? In Frankfurt, wo alles konzentriert sein wird, sind am Freitag und Samstag drei Autorinnen und ein Autor bei der Litprom zu Gast (Carmen Aguirre, Sharon Bala, Rawi Hage). Wer aber alles vom 14. bis 18. Oktober bei der Messe sein wird, geben die Organisatoren erst Mitte März auf der Leipziger Buchmesse bekannt.

Die Verlage haben sich schon länger vorbereitet. Der Gastlandauftritt wurde vor drei Jahren beschlossen, seither haben Agenten und Scouts Kontakte geknüpft, Lektoren Übersetzungen in Auftrag gegeben. „Die Frankfurter Buchmesse ist keine deutsche Veranstaltung. Die kanadische Kultur kann sich der Buch- und Medienindustrie aus 150 Ländern präsentieren“, gab Boos noch zu Protokoll.

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