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Yanis Varoufakis im April dieses Jahres.
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Yanis Varoufakis im April dieses Jahres.

Yanis Varoufakis

Der Kampfsport, der sich Politik nennt

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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„Die ganze Geschichte“ von Yanis Varoufakis erzählt witzig und selbstironisch die Geschichte einer Auseinandersetzung mit dem europäischen Establishment.

Sechshunderteinundsechzig Seiten hat das Buch. Glücklicherweise auch ein Register. In dem kommt Finanzminister Wolfgang Schäuble 64 Mal vor. „Die ganze Geschichte“ hat der Ex-Finanzminister Griechenlands Yanis Varoufakis natürlich nicht geschrieben. Er hat spannend, witzig, ironisch-selbstironisch und immens informativ die Geschichte seiner Auseinandersetzung mit dem europäischen Establishment geschildert. Es ist wohl das wichtigste politische Buch dieses Herbstes. Es gibt nichts Vergleichbares.

Es ist ein Blick hinter die verschlossenen Türen, vor denen wir Journalisten lungern in der Hoffnung, die eine oder die andere Bemerkung, den einen oder anderen Blick hinter die Maske der offiziellen Auftritte mitzubekommen. Varoufakis hat es mehr noch als mit Stimmungen und Atmosphäre mit Tatsachen. So ist das Buch vollgepackt mit Informationen, die man anderswo nicht bekommen kann.

Wer wissen will, wie Politik funktioniert, der kommt an Varoufakis’ Mitteilungen nicht vorbei. Auch wenn der sich auf Mike Tyson beruft: „Jeder hat einen Plan, bis er was auf die Schnauze kriegt.“ Der Leser bekommt eine Ahnung davon, dass Politik jener Kampfsport ist, bei dem alles als Waffe eingesetzt werden darf – außer den Waffen selbst.

Kein Grund, Varoufakis zu glauben

Auch wer sich mehr dafür interessiert, wie einzelne Politiker und Wirtschaftsleute ticken, kommt hier sehr auf seine Kosten. Es geht oft mehr um Prestige als um Profit. Gesichtswahrung und Gesichtsverlust sind mindestens so wichtig wie auf dem Schulhof. Selbstverständlich gibt es keinen Grund, Varoufakis zu glauben.

Aber dieses Buch ist für viele zentrale finanzpolitische Ereignisse des Jahres 2015 die einzige Quelle. Seit dem 20. September ist es in den Buchhandlungen. Man wäre schon gespannt, Reaktionen darauf zum Beispiel aus dem Finanzministerium zu hören. Hat Schäuble tatsächlich erklärt: „Man kann nicht zulassen, dass Wahlen die Wirtschaftspolitik beeinflussen“?

Wird der Internationale Währungsfonds sich äußern zu diesen Zahlen von Varoufakis: „Bis zu meinem Rücktritt (Juli 2015) hatte der bankrotte Staat (Griechenland) über 3,5 Milliarden Euro an Zinsen und Gebühren an den IWF bezahlt, im Durchschnitt 37 Prozent der gesamten Nettoeinnahmen des IWF, die 79 Prozent seiner gesamten internen Ausgaben deckten.

Seit Griechenland ins Schuldgefängnis eingezogen war, verzeichnete der IWF einen durchschnittlichen operativen Gewinn von 63 Prozent pro Jahr, sehr viel mehr als Goldman Sachs oder J. P. Morgan.“ Die paradoxe Wahrheit, die für die Nationalökonomien gilt, gilt wohl auch international: Am leichtesten bekommt man Geld von denen, die keines haben.

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