Kampf um Kirche und um Liebe

Eine erbauliche Lektüre zum 3. Advent

Von xxawi

Der Schweizer Theologe Karl Barth, eine der herausragenden Figuren des Protestantismus des 20. Jahrhunderts, Verfasser einer vielbändigen Dogmatik und seit 1930 SPD-Mitglied, lebte und lehrte 1933 in Bonn. Mit seiner Frau Nelly und fünf Kindern. Und mit Charlotte von Kirschbaum, seiner Sekretärin und Geliebten. Ein Dreiecksverhältnis also, das immer wieder auseinander geriet, sich wieder fand. 35 Jahre lang. Nicht im Verborgenen, sondern der Öffentlichkeit des Freundes- und sehr umfangreichen Schülerkreises.

Der jetzt erschienene Briefwechsel zwischen Karl Barth und seiner dreizehn Jahre jüngeren Freundin wird die Liebhaber des Schlafzimmerblicks nicht befriedigen, aber wer sich für die verschlungenen Pfade des menschlichen Gemütslebens interessiert, dem bietet der Band reichlich Anschauungsmaterial.

Am erheiterndsten, weil von fürchterlich autoritärer Naivität, sind jene Briefe, in denen Karl Barth sich darüber beschwert, dass seine Frau ihm Vorhaltungen macht, obwohl man sich doch längst geeinigt habe und sie doch auch einverstanden gewesen sei mit dem Arrangement, dass die Geliebte in der allen gemeinsamen Wohnung das Zimmer neben dem seinen beziehen werde.

Die Situation ist ja an sich schon schwierig genug, aber dass die beiden Liebenden und die Ehefrau des Geliebten - als hätten sie nicht schon genug damit zu tun, einander möglichst wenig weh zu tun - sich als gläubige Christen bei jeder Aktion auch noch die Schädel darüber zermartern, wie sie Gott wohlgefällig sein können: das erschwert ihr Leben, statt ihnen zu helfen.

Das, denkt der ungläubige Leser, haben sie nicht verdient. Glücklicherweise kommt 1933 und Karl Barth kann sich in den Aufbau der Bekennenden Kirche stürzen. 1935 geht der Clan zurück in die Schweiz. Dort steht Karl Barth dann unter der misstrauischen Beobachtung der Schweizer Polizei, die durch seine Anti-Nazi-Aktivitäten die Neutralität des Landes gefährdet sieht.

Karl Barth,

Charlotte von Kirschbaum:

Briefwechsel Bd.1, 1925- 1935, Hg. v. R.-J. Erler, Theologischer Verlag Zürich,

591 S., 100 Euro.

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