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USA

Kamala Harris: „American Life“ - die ganze Geschichte der neuen Vizepräsidentin

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
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Kamala Harris ist die erste Frau, Afroamerikanerin und asiatische Amerikanerin, die das Amt der Vizepräsidentin der USA errungen hat. Ihre Biografie erscheint nun auf Deutsch.

  • Der Journalist Dan Morain hat eine Biografie über Kamala Harris geschrieben.
  • Morain bettet Leben und Karriere von Kamala Harris in die Geschichte der USA ein.
  • Im Kinderwagen ist Kamala Harris mit ihren Eltern auf Demonstrationen gewesen - sie wollte „Freiheit“.

Kamala Harris, geboren im kalifornischen Oakland am 20. Oktober 1964, ist seit dem 20. Januar Vizepräsidentin der USA. Sie ist die erste Frau, die erste Afroamerikanerin und die erste asiatische Amerikanerin, die dieses Amt errungen hat. Ihre Eltern sind Donald J. Harris, geboren 1938, der aus Jamaica in die USA gekommen war, um in Berkeley Wirtschaftswissenschaften zu studieren – bis zu seiner Emeritierung unterrichtete er in Stanford Entwicklungsökonomie –, und Shyamala Gopalan (1938-2009), die Indien verlassen hatte, um in den USA Endokrinologie zu studieren. Sie wurde eine bekannte Brustkrebforscherin.

Sie war das große Vorbild ihrer beiden Töchter Kamala und der 1967 geborenen Maya. Die jüngere Schwester studierte ebenfalls Jura und arbeitet als Politikberaterin und Fernsehmoderatorin. Zuletzt organisierte sie die Wahlkämpfe der älteren Schwester.

Kamala Harris: Indische Mutter ist ihr großes Vorbild

Die Eltern der beiden hatten sich in der Protestbewegung der Universität Berkeley kennen gelernt. Zu den gerne erzählten Geschichten aus Kamala Harris’ Biografie gehört, dass ihre Eltern sich einen Spaß daraus machten, sich über die in ihrem Kinderwagen mit auf die Demonstration genommene Kamala zu beugen und sie zu fragen „Was willst du?“. Die Kleine, die gerade mal fünf, sechs Worte sagen konnte, antwortete darauf zum Entzücken der Eltern: „Freiheit“. Als sie sieben Jahre alt war, trennten sich die Eltern. Die beiden Mädchen blieben bei der Mutter.

Kamala Harris im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur, 2019.

Kamala Harris ist ein Produkt der 68er Bewegung. Sie wuchs in ihr auf und dass sie so aufwachsen konnte, hat sie den Kämpfen der 60er Jahre zu verdanken. Das ist ihr sehr bewusst. Keine Sekunde würde ihr einfallen, über die Gedanken und Taten ihrer 68er-Eltern herzuziehen.

Biografie über Kamala Harris: Ein T-Shirt wird der Hit ihrer Kampagne

Als sie sich vor zwei Jahren gegen Joe Biden für das Amt einer demokratischen Präsidentschaftskandidatin bewarb, erinnerte sie ihn und die US-Öffentlichkeit auch daran: Als Biden sich in den 70ern gegen das „busing“ wandte, das weiße Kinder in schwarze und schwarze Kinder in weiße Schulen transportierte, um so die Rassentrennung zu bekämpfen, da wandte er sich auch gegen die kleine Kamala Harris, die zu den Nutznießerinnen des „busing“ zählte. Ein T-Shirt mit einem Foto der bezopften Schülerin Kamala Harris wurde zu einem Hit ihrer Kampagne.

Das Buch

Dan Morain: Kamala Harris. Die Biografie. A. d. Eng. v. S. Bieker, Chr. Bernhardt, K. Singelmann u.a. Heyne, München 2021. 384 S., 22 Euro.

Man erfährt das und natürlich viel mehr aus der Biografie des Journalisten Dan Morain, der Kamala Harris seit langem kennt. Das Buch kommt am Montag (25.01.2021) auf Deutsch heraus. Der Titel des amerikanischen Originals lautet: „Kamala’s Way: An American Life“. Es ist eine der Stärken des Bandes, dass Morain es versteht, Leben und Karriere einzubetten in die Geschichte der USA des letzten halben Jahrhunderts, dass er es versteht, uns auch den amerikanischen Politikbetrieb deutlich zu machen.

Der Weg in die US-Politik: Kamala Harris zweite schwarze Senatorin der USA

Zum Aufstieg von Kamala Harris gehört ihre Beziehung zum 30 Jahre älteren Willie Brown. Sie begann 1994. Brown war einer der einflussreichsten demokratischen Politiker Kaliforniens. Er ebnete ihr nicht nur den Weg in die Staatsanwaltschaft, er sorgte auch dafür, dass sie mit wichtigen Leuten bekannt wurde. Darunter Donald Trump.

Die Absätze, in denen Morain das Zusammenleben des Paares – Brown ist seit 1958 verheiratet – gehören zum erhellendsten, was man über amerikanische Politik lesen kann. Die Entschlossenheit, mit der Politik und großes Geld zusammenkommen, kann man selten so schön nachlesen wie hier. Das hat damit zu tun, dass Morain das einfach beschreibt. Es ist ein wenig so wie bei der Pop Art. Die europäische Rezeption sah die Flaggen von Jasper Johns und die Cola-Flaschen von Andy Warhol als Kritik. Die Künstler dagegen bildeten begeistert ab, was sie sahen. Dan Morains Schilderung des Luxuslebens der Staatsanwältin an der Seite ihres Freundes gehört eben zu einem erfolgreichen „American life“.

Dass sie die zweite schwarze Senatorin der Vereinigten Staaten wurde, dass sie die mehr als 39 Millionen Kalifornierinnen und Kalifornier im US-Senat vertrat, das wäre ohne ihren Zusammenhalt mit den Mächtigen nicht möglich gewesen. Aber auch nicht ohne ihren Einsatz für die Ohnmächtigen.

Vizepräsidentin der USA: Kamala Harris hat bereits Autobiografie veröffentlicht

Wer kann, sollte sich die Zeit nehmen, auch schon in Kamala Harris’ Autobiografie zu schauen. Sie erschien im vergangenen Jahr auf Englisch, die deutsche Übersetzung ist für März bei Siedler angekündigt. Titel: „Der Wahrheit verpflichtet. Meine Geschichte“. Der englische Titel „The truths we hold“ spielt an auf die ersten Sätze der Unabhängigkeitserklärung der USA: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind (...); daß sobald eine Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volks ist, sie zu verändern oder abzuschaffen ... .”

Gleich zu Beginn ihrer Autobiografie erklärt Kamala Harris, ihr Vorname spreche sich „comma-la“ – wie das Satzzeichen – und bedeute Lotus-Blume. Sie hat ihre indischen mütterlichen Wurzeln niemals vergessen. Allerdings waren sie ja auch ein wichtiger Faktor ihrer politischen Laufbahn. Kamala Harris ist Mitglied einer Baptistengemeinde in San Francisco, ihr Ehemann – sieben Tage älter als sie - ist Jude. Aber nach dem Tode ihrer Mutter nahm sie deren Asche und zerstreute sie im indischen Ozean.

Der Amerikanische Traum ist Teil von Kamala Harris‘ Autobiografie

Das Pathos der Unabhängigkeitserklärung, des Pathos des Amerikanischen Traums durchzieht Kamala Harris’ Autobiografie, aber auch Morains Darstellung ihres Lebens. Dieser hohe Ton ist die eine Seite der USA. Die vertrug sich damals mit Sklaverei, und sie verträgt sich heute mit der Macht der Konzerne. In Europa – geprägt von der Links-Rechts-Polarität – können wir uns das kaum vorstellen. Von der Erklärung, dass alle Menschen gleich geschaffen wurden, bis zum Wahlrecht für Frauen im Jahre 1920 dauerte es fast 150 Jahre. Noch in den 1960er Jahren starben Schwarze in den Südstaaten beim Kampf um die Eintragung in die Wählerlisten.

Das ist die Welt, von der Kamala Harris sich zu befreien sucht. Das ist aber auch die Welt, aus der sie kommt, die sie geprägt hat. Wie schwer es ist, sich von sich selbst zu befreien, wissen wir alle. Beide Bücher helfen uns dabei, es nicht zu vergessen. (Arno Widmann)

Rubriklistenbild: © AFP

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