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Service? Oder doch schon Kontrolle?
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Service? Oder doch schon Kontrolle?

Drei Hotel-Bücher

Kaffee, Liebe und Kummer im Hotel

Ein Ort, der vertraut und fremd zugleich ist in neuen Büchern von David Wagner, Joachim Lottmann und Bruno Pellegrino.

Von Sabine Vogel

Seifenklau vom Putzmittelwagen

Der Bleistift neben dem Notizblock steht für Stil, die Leselampe am Biegearm für Kundenfreundlichkeit, Zierkissen für Angeberei. Gibt es ein Obstkörbchen, sitzt man an der Schreibplatte mit dem Gesicht zur Wand, hat der Teppichboden Flecken? In Hunderten von Hotelzimmern hat der Schriftsteller David Wagner in den vergangenen Jahren genächtigt und mit der ihn auszeichnenden Aufmerksamkeit für die alltäglichen Dinge in Textminiaturen geadelt.

Er hat auf Betten liegend durch Sportsender gezappt, wohlriechende Seifen vom Putzmittelwagen geklaut, Kaffee aus blauen Thermoskannen getrunken. Göttingen, Lissabon, Teheran. Die schiere Anzahl der Hotels gibt auch Aufschluss darüber, wie (und wovon) ein erfolgreicher deutscher Autor (Wagner erhielt 2013 den Leipziger Buchpreis) heutzutage lebt. Als Handelsvertreter seiner selbst tingelt er durch Haupt- und Provinzstädte, in die er eingeladen wird, seine Literatur vorzutragen. Nicht selten sind Kollegen wie Katja Lange-Müller, Monika Maron oder Nora Bossong mit am Frühstücksbüfett. Aber das macht nur die schöne Anonymität des Hotelgefühls zunichte.

Annäherung an die Todeszone

Der Bruder ist ein dumpfer Blödmann, aber jetzt ist er am Sterben. Um seinem ins Nirwana der Demenz abdriftenden Bruder noch mal eine letzte Freude zu machen, fährt Joachim Lottmann mit ihm nach Italien ins Hotel Sylvia, wo sie als Kinder mit den Eltern die Urlaube verbrachten. Statt der dominanten Pflegerin, des Bruders neue Gattin, erfreut eine blonde Kunststudentin mit Anita-Ekberg-Figur die beiden älteren Herren mit ihrer Gesellschaft. Während der kranke Bruder sich zusehends in sein stinknormal-dummes Leben zurücklabert, findet der andere, ja, sagen wir’s einfach: sein spätes Glück. Joachim Lottmann erzählt mit gewohnt abgebrühtem Sound, fies, frauenfeindlich und erfrischend ehrlich.

Durch die Welt der Wirbelstürme

Das Wasser war „selbstverständlich glasklar, saphirblau, smaragdgrün, lapislazulifarben“. Aber nicht das Versprechen auf Traumstrände und Exotik haben den jungen Schweizer auf die Insel im Indischen Ozean vor Afrika getrieben, sondern Liebeskummer. Im Büro der Hilfsorganisation erwarten ihn sinnlose Beschäftigungen, unfassbare Langeweile, kein Internet. Es dauert Wochen, bis er seine Lähmung überwindet und sich in die kaputte Stadt mit dem unaussprechlichen Namen (Antananarivo) traut.

Er reist mit ein paar Rucksacktouristen in den Dschungel, fliegt zurück nach Hause und reist mit der Ex-Freundin auf Landwegen an ein anderes Ufer der Welt. In Japan endet die Liebe. Ein rauschhafter Sog aus Beobachtungsschärfe und Wehmut verleiht dem Debütroman des aus dem Waadtland stammenden 28 Jahre alten Bruno Pellegrino einen Klang, der lange in der eigenen Seelenbauchgrube nachhallt.

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