Naturkunde

Käfer: Rund, aber komplex

  • schließen

Bernhard Kegel wirbt für die Welt der Käfer.

Bernhard Kegel stellt gleich klar, dass er es nicht lustig findet, wenn Leute über sein Spezialgebiet, die Käferkunde, lachen. Tatsächlich haftet dem Wort Käfer etwas Humoristisches an, das durch nichts gerechtfertigt ist. Kegel nimmt an, der Käfer gelte als zu unbedeutend. Aber wird nicht über viele kleine runde Dinge und Wesen schneller gekichert als über große dünne? Keiner lacht über Titanus giganteus, den handgroßen südamerikanischen Riesenbockkäfer. Höchstens hysterisch.

Kegel kann seinerseits mit trockenem Witz aufwarten. Kafka, erklärt er, sei es nicht wichtig gewesen, in was Gregor Samsa sich verwandelte, nur abscheulich musste es wirken. „Ich betone diese zoologische Unbestimmtheit, damit hier kein Makel an den Käfern hängen bleibt.“

Kegel, inzwischen als Schriftsteller tätig, nutzt in „Käfer“, der Nr. 56 in Judith Schalanskys Naturkundenreihe, jede Zeile, um Komplexität und Vielfalt des Käfers – trotz eines offenbar relativ einfachen Grundaufbaus – plastisch zu machen. Er thematisiert die passionierten Sammler (darunter Ernst Jünger), wirbt für die Reinigungskraft der Dungkäfer und macht darauf aufmerksam, dass in Frankreich noch Ende des 19. Jahrhunderts Maikäferbouillon serviert wurde. Es wird ferner deutlich, dass nur unglaublich dumme Menschen eine Käferforscherin oder einen Käferforscher fragen können, ob die Anzahl der Punkte mit dem Alter der Käfer zu tun habe. Ja, das scheint wirklich eine außerordentlich dumme Frage zu sein, und wir wollen sie uns verkneifen (nein, die Anzahl der Punkte hat nichts mit dem Alter zu tun).

Bernhard Kegel: Käfer. Naturkunden Bd. 56. Matthes & Seitz. 143 S., 20 Euro.

Um das Schlimmste zu verhindern, gibt es ja nun auch dieses Buch. Kegel schreibt viel zu munter und facettenreich, um sich nicht gerne von ihm belehren zu lassen. Und als er uns um den Finger gewickelt hat, rückt er mit der Mr.-Hyde-Seite der Käfer heraus: der Phase als potenzieller Schädling im Engerlingsstadium und der Problematik massenhaft auftretender Käfer. „Die Borkenkäfer sind dabei nur ein Symptom“, stellt Kegel klar, „die Krankheit heißt Klimawandel.“

Am Ende des unterhaltsamen und informativen, erwartungsgemäß fabelhaft illustrierten Bandes betätigt sich Kegel als Käferflüsterer. Und übersetzt: „Ihr wollt Kontakt mit uns aufnehmen? Kein Interesse! Lasst uns doch bitte einfach in Ruhe! Lasst uns unser kurzes Leben leben und sein, wie wir sind.“ Das geht völlig in Ordnung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion