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Der Autor Jonas Jonasson (rechts).

Buchmesse ? Bestseller

Jonas Jonasson: "Ich überlebe durch Humor"

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Der "Hundertjährige" kehrt von seiner Reise politischer denn je zurück.

Donnerstag. Halle 3 – Stand C119. Ein Raunen geht durch die drei Stuhlreihen, als sich Jonas Jonasson um Punkt 16 Uhr in weißem Hemd und schwarzen Jeans an den Tisch mit dem Mikrofon setzt. Neben ihm prahlt der Moderator noch über die Pünktlichkeit der Deutschen. „In Schweden wäre das schon eine Minute zu spät“, entgegnet Jonas Jonasson trocken.

Nicht viele der Anwesenden haben Jonassons neues Buch „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ schon gelesen. Das Erstlingswerk „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ über den Senior Allan Karlsson, der vor seinem runden Geburtstag flieht, kennen sie aber alle, wie sie auf die Frage des Moderators bekennen. „Yes, natürlich“, eine der älteren Damen mit silbergrauer Frisur in Reihe 2 nickt mit dem Kopf. Ihre Wortmeldung gilt zugleich als Antwort auf die Frage, ob die Lesung weiterhin auf Englisch geführt werden könne.

Zu viele Trumps, zu wenig Merkels auf dieser Erde

Als international entpuppen sich neben Jonassons Anhängerschaft dann auch die thematischen Pfeiler des Romans, die vom Schriftsteller kurz und prägnant angerissen werden. Hauptfigur Allan zieht nach seinem vermeintlichen Ruhestand auf Bali noch einmal um den Globus. Zwischen Neonazis, Nordkorea und afrikanischen Wunderheilern wechselt Allan seine Identität, um das große Ganze ein Stück besser zu machen. Ausgerüstet mit einem Tablet, erfährt er rund um die Uhr die wichtigsten Neuigkeiten.

Jonasson beschreibt sich selbst als „News-Addict“. Auch die Impulse für seine Geschichte stammen aus der realen Nachrichtenlandschaft. Bei der Diskussion holt der Autor zum Rundumschlag gegen den Zeitgeist aus, erwähnt russische Bots und ihre Unterstützung von Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2016, den Rechtsruck in Skandinavien, Europa und den USA und das explosive Tête-à-Tête zwischen Donald Trump und Kim Jong Un. 

Für Angela Merkel dagegen hegt er Bewunderung: „Merkel ist das Gegenteil von Donald Trump. Sie ist die Hoffnung für die Zukunft.“ Denn: „Komplizierte Fragen brauchen komplizierte Antworten zur Lösung der Probleme. Das funktioniert nicht mit 140 Twitter-Zeichen.“ Jene Probleme der Gesellschaft verpackt Jonasson in eine amüsante Fabel, die nie in den Klamauk abrutscht. Stattdessen bekommen die Leser*innen eine chaotische Welt vorgesetzt, die aus einem Hollywood-Blockbuster entführt zu sein scheint. Die bittere Erkenntnis sei, dass „das Fiktionale erschreckenderweise genauso wahr sein kann“, so Jonasson.

Humor, die Lösung allen Übels

Allan beurteilt die Leute nach dem, was sie sind. Den Personen, die ihm begegnen, tritt der Protagonist mit einer gewissen Aufrichtigkeit gegenüber, die Jonasson, wie er da leger in der Messehalle sitzt, selbst ausstrahlt. So erwidert er zwischendurch immer wieder das Lächeln der älteren Mitglieder seines angereisten Fanclubs und winkt ihnen mit dem grünen Cover der schwedischen Originalausgabe zu.

„Die einzig logisch denkende Person in diesem Buch ist ein Löwe in der kenianischen Wüste“, stellt der Moderator nach etwa 15 Minuten des Talks als These in den Raum. „Dieses Tier fragt sich, wen es zuerst essen soll. Herr Jonasson, wie halten Sie es aus, in einer solchen Welt zu leben? Warum werden Sie nicht selbst verrückt?“ – „Man sollte es mir nachmachen“, antwortet Jonasson, „ich überlebe durch Humor.“

Und auch wenn er laut eigener Aussage das Buchmessen-Publikum durch die Brisanz seines Romans nicht beunruhigen will: „Es ist wie es ist, es kommt wie es kommt“, sagt er in ruhigem Ton. Aber das Verlangen, die Welt retten zu müssen, steht dem Autor buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Die Welt befindet sich in einem Zustand, gegen den Weinen nicht hilft. „Lachen auch nicht, aber das macht wenigstens Spaß“, sagt Jonasson. Und da hat er sicher nicht unrecht. Die Trumps dieser Welt lassen sich wohl nicht ohne weiteres weglachen. Humor macht die Kurzschlussgefahr, die von solchen Menschen ausgeht, aber ein klitzekleines bisschen erträglicher.

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