Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Dorfkirche von Dobberzin in der Uckermark.
+
Die Dorfkirche von Dobberzin in der Uckermark.

„Die Wütenden und die Schuldigen“

John von Düffel „Die Wütenden und die Schuldigen“: Heillose Familienaufstellung

  • Petra Kohse
    VonPetra Kohse
    schließen

John von Düffels Roman „Die Wütenden und die Schuldigen“

John von Düffel ist Dramaturg, Dramatiker, Übersetzer, Romancier und Professor. Er ist Langstreckenschwimmer und Vielschreiber und erzählt besonders gerne vom Wasser. Fünf seiner 15 Prosabücher in den letzten 23 Jahren handeln davon, aber das sechzehnte heißt „Die Wütenden und die Schuldigen“, und es geht diesmal um eine Familie im sogenannten Lockdown des Jahres 2020. Wobei fast alle Familienmitglieder erstaunlich viel unterwegs sind in diesem Buch, auch wenn sie sich gerade in Quarantäne befinden oder sogar im Sterben liegen. Wut und Schuld sind, anders als man denken könnte, nicht auf die Bevölkerung und die Politik verteilt, sondern halten sich in den Seelen der Figuren selbst die Waage, und der Anklang an den Dostojewski-Titel „Erniedrigte und Beleidigte“ scheint doch eher zufällig.

Die Familie besteht aus dem Großvater, ein aus dem Westen in die Uckermark eingewanderter Pfarrer, dessen Tod das ganze Buch über erwartet wird. Es gibt eine Enkelin aus Berlin, die ihn besuchen kommt und mit der lokalen Dorfjugend unschöne Zusammenstöße hat, bei denen Mariacron eine Rolle spielt. Die Mutter der Enkelin, die Schwiegertochter, ist Ärztin in Berlin, kann quarantänebedingt nicht in die Uckermark kommen, lernt dafür aber in ihrem eigenen Haus den Rabbi des israelischen Botschafters erstaunlich gut kennen.

Das Buch:

John von Düffel: Die Wütenden und die Schuldigen. Roman. Dumont, Köln 2021. 314 S., 22 Euro.

Studentischer Suizidversuch

Es gibt auch einen Enkel, einen Kunststudenten mit Liebes- und irgendwie auch Drogenproblemen, gleichfalls in Berlin lebend, sowie den Vater (und also Sohn des sterbenden Pfarrers), der nicht auftritt, sondern nach einem Suizidversuch offenbar dauerhaft in der Psychiatrie lebt. Aus kapitelweise wechselnden (und mit ziselierten Cliffhangern bekränzten) Perspektiven wird beschrieben, was all diese Figuren über sich und das Leben denken.

Eine Heillosigkeit vieler Ursprünge wird aufgeblättert und in forciert skurrilen zwischenmenschlichen Begegnungen erst blitzlichtartig gefeiert und dann in langwierigen Redepassagen erklärt. Soll dies ein literarisches Roadmovie, ein Episodenfilm oder doch eher ein Konversationsstück sein?

Corona bildet nur eine vage Klammer und auch sonst poppen die Reizthemen so beliebig auf wie Pushnachrichten auf dem Bildschirm: sexuelle Anzüglichkeiten zwischen dem Enkel und seiner Professorin, Sterbehilfe, Depression, Kriminalität, jüdische Identität und natürlich der Ost-West-Konflikt, der womöglich ein Land-Stadt-Konflikt ist. Eine etwas derbe Komik wird als Absicht deutlich, aber letztlich bleibt alles so unscharf wie die Sprache selbst in diesem Roman: „Der Frühling war erstaunlich weit, fühlte sich aber nicht an wie ein Anfang.“ Sondern wie? Man weiß es nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare