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Johannes Willms ist tot – Der charmante Stratege

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Von: Harry Nutt

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Johannes Willms, hier auf der Frankfurter Buchmesse. In der Nacht zum Dienstag ist der Journalist und Buchautor im Alter von 74 Jahren in München gestorben.
Johannes Willms, hier auf der Frankfurter Buchmesse. In der Nacht zum Dienstag ist der Journalist und Buchautor im Alter von 74 Jahren in München gestorben. © dpa

Zum Tod des Historikers, Publizisten und Journalisten Johannes Willms.

Seine elegante Erscheinung war derart einschüchternd, dass es beinahe verblüffte, wie wenig auftrumpfend Johannes Willms im Gespräch unter Kollegen war. Dabei war er sich über die Bedeutung des Performativen zweifellos bewusst, deren Techniken es zur Durchsetzung von Ideen gerade auch in so einer profanen Umgebung wie einer Redaktionskonferenz bedarf. Ehe Johannes Willms 1993 bei der „Süddeutschen Zeitung“ die Leitung des Feuilletons übernahm, war er 15 Jahre in verschiedenen Funktionen beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) tätig, darunter fünf Jahre als Redaktionsleiter des Magazins Aspekte, dem er nach lange währenden Hegemonie des Kulturpessimismus einen frischeren Ausdruck verlieh.

Willms gilt als Erfinder des „Literarischen Quartetts“, in dem Marcel Reich-Ranicki, der langjährige Literaturchef der FAZ, seine Leidenschaft für den öffentlichen Auftritt lustvoll in Szene zu setzen vermochte. Nie wieder hat das Genre der Literaturkritik eine so große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren wie in der Zeit der munter-beharrlichen Streitereien zwischen Sigrid Löffler, Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek.

Die Freude am Fernsehen war für den 1948 in Würzburg geborenen Sohn eines Richters am Bundesgerichtshofs in Karlsruhe, wo Willms aufwuchs, bereits so etwas wie eine Lockerungsübung. Johannes Willms war ein Mann des Wortes und der Ideen, beim so inspirierenden Historiker Reinhart Koselleck, der mit seinen Werken großen Einfluss auf das Feuilleton seiner Zeit hatte, wurde er in Heidelberg mit einer Arbeit über „Die Politik der officiers royaux auf den États Généraux“ promoviert.

Während sein älterer Kollege Karl-Heinz Bohrer stolz darauf war, ein Feuilleton mit dem „Rücken zum Publikum“ zu machen, war Willms daran gelegen, nicht zu langweilen. Nachhaltig investierte er als historisch interessierter und gebildeter Mensch in ein politisches Feuilleton, das von den Ressorts Wirtschaft und Politik entsprechend kritisch beäugt wurde. Willms hat, nachdem er einige Jahre für die „Süddeutsche Zeitung“ Frankreich-Korrespondent war, Bücher geschrieben über Balzac, Stendhal, Mirabeau und Talleyrand, aber auch über Bismarck, Napoleon und De Gaulle. Die Neugier, Deutungslust und Fleiß, die aus diesen Büchern sprechen, wusste Willms mit der Kunst des Genießens zu schalkhaften Witz zu kombinieren.

In einem Geburtstagsgruß zum 70. verriet Claudius Seidl die Willms-Devise, der zufolge man im Feuilleton derart oft über seine geistigen Verhältnisse lebe, dass man zum Ausgleich auch mal über die finanziellen gehen sollte. Auf der Spesenrechnung eines Restaurantbesuchs mit einem Kollegen habe er angegeben: „Vorbereitung eines Angriffskriegs“.

Nun ist Johannes Willms nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben.

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