Verlag Langewiesche-Brandt

Jetzt geht es nicht mehr

Mit dem 1. Juli übernimmt C.H. Beck das lieferbare Programm des kleinen, feinen Verlags Langewiesche-Brandt. Der Verlag besteht seit 1954 und kann sich nun nicht mehr halten.

Von Jürgen Verdofsky

Wenn der Verlag sich trägt in einem Jahr, dann sind wir glücklich und stolz. Tut er es nicht, dann sind wir von der Messe bis über Weihnachten demütig, und komischerweise geht es dann doch wieder." So ging es Kristof Wachinger mit seinem kleinfeinen Verlag Langewiesche-Brandt seit 1954, jetzt geht es nicht mehr. Mit dem 1. Juli übernimmt C. H. Beck das lieferbare Programm, die poetische Reihe "textura" soll fortgeführt werden. Das Versprechen wiegt schwer, sind doch die Textura-Bände von besonderer Art, nicht nur mit ihren Autorennamen, sondern auch in ihrer Ausstattung: Individuell auf einen Text abgestimmte Schrifttype, nachgeglättetes Papier, Fabriano-Bütten als Umschlag.

Eine vergleichbare Lösung wie der Züricher Ammann Verlag mit S. Fischer fand? Hier wie dort geschieht nichts voraussetzungslos, nur ist Langewiesche-Brandt in Ebenhausen bei München mehr als drei Mal so alt. Schon 1906 warnte Verleger Hans Beck seinen Lektor Wilhelm Langewiesche, Wachingers Großvater, sich selbstständig zu machen. Nach 104 Jahren, drei Generationen Verlegerleidenschaft, sieht Kristof Wachinger, der im Mai achtzig wird, für seine Söhne keine kaufmännische Basis einer Verlagsfortführung. "Sein eigener Mäzen" (Robert Leicht) zu sein, das geht nicht länger.

Aber nichts war vergebens. Wachinger hat in Deutschland als erster Robert Frost und Edward Estlin Cummings gedruckt, auch Anna Achmatowa, das Werk von Ivan Goll und Paula Ludwig gepflegt, Albrecht Haushofer und Georg von der Vring vor dem Vergessen bewahrt. Sarah Kirsch und Richard Leising für den Westen entdeckt, Albert von Schirnding und Jochen Missfeldt den Weg geebnet. Die gut 600 Bücher, die Kristof Wachinger zusammen mit seiner Frau Helga verlegt hat, sind eine Bibliothek für sich. Drei Bände gibt es zum Abschied: Den Roman "Vorläufige Ankunft" von Schirnding, Gedichte von Missfeldt und von Sophia de Mello Breyner Andresen.

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