Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Frankfurter Schriftstellerin Jasmin Schreiber. Foto: Jasmin Schreiber
+
Die Frankfurter Schriftstellerin Jasmin Schreiber.

„Der Mauersegler“

Jasmin Schreiber „Der Mauersegler“: Im freien Fall

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Vom Verzagen und Aufgefangenwerden: Jasmin Schreibers Roman „Der Mauersegler“.

Leben und Tod sind die Themen von Jasmin Schreiber. Das Leben in vielen Gestalten verarbeitet die 1988 geborene studierte Biologin unter anderem auf ihrem Twitteraccount @Waldräubers, wo sie auch vor der Grauen Fleischfliege und der Gemeinen Strauchschrecke nicht zurückschreckt (im Gegenteil) und in ihrem Podcast Bugtales. Den Tod behandelt sie in ihren Romanen. Zuletzt im Bestseller „Marianengraben“, jetzt in diesem Band, der mit Zugvögeln weniger zu tun hat, als man denkt, auch wenn er den Mauersegler im Titel und auf dem Buchcover hat.

Es geht vielmehr um den freien Fall eines Mannes, der das Wichtigste verloren hat; eigentlich alles. Es geht vielmehr um einen Mann, der auf der Flucht vor sich selbst ist und davor, was er getan hat. Er hat möglicherweise jemanden umgebracht, genau weiß man nicht, ob er die Schuld daran trägt, wenn man alle Umstände berücksichtigt, aber ganz sicher hat er jemanden nicht gerettet, nicht irgendjemanden – er hat seinen besten Freund nicht gerettet. Seinen superbesten Freund.

Unterm Strich will er selbst nicht mehr leben. Die Autorin erzählt davon in durch die Zeit reisenden Bildern. Wie es die beiden Freunde, als sie noch klein sind, für das Beste halten, den unerwartet verstorbenen Hund feuerzubestatten. Wie der Hund nicht brennen will. Wie sie das Leben der Mauersegler diskutieren (in den Gesprächen kommen die Vögel oft vor), wie sie darüber staunen, dass Mauersegler die ganze Zeit in der Luft sind, immer, wie sie sich fragen: „Und wenn die tot sind? Dann fliegen die aber nicht mehr, oder?“ Natürlich nicht, beschließen sie. „Stell dir das mal vor, da wäre ja der ganze Himmel voll toter Vögel.“ Wie Dünen wandern. Wie langsam. Und wie schnell das dennoch den Bäumen vorkommen muss.

Das Buch:

Jasmin Schreiber: Der Mauersegler. Roman. Eichborn, Köln 2021. 240 Seiten, 22 Euro.

Auf einmal ist Jakob krank und sein superbester Freund Prometheus, die Hauptfigur des Romans, ist Arzt. Die Rollen sind klar verteilt. Beide haben alles zu verlieren. Beide verlieren alles.

Immer auch tröstlich

Wie schon in „Marianengraben“ gerät der junge Protagonist auch hier an alte, zunächst etwas widerborstige Menschen, die ihm dort aus dem Abgrund, hier aus dem freien Fall helfen. Die Todesverarbeitung muss bei Jasmin Schreiber nie durchgängig traurig sein. Sie hat auch ihre komischen Seiten, und sie ist immer auch ein wenig tröstlich. Der gebrochene Mann erweist sich unverhofft als Retter bei einer Fohlengeburt. Ganz kurz reist sogar die Heldin aus dem Vorgängerroman durch die neue Geschichte und macht Mut, ohne sich einzumischen, in der dritten Person.

Am Ende weiß man nicht ganz genau, was die allerersten zwei Absätze des Buchs mit dem Rest zu tun haben und ob man da weitergelesen hätte, wenn man nicht aus Jasmin-Schreiber-Erfahrung sowieso auf jeden Fall hätte weiterlesen wollen. Aber dafür ist ja eine Buchbesprechung da – um zu sagen: Es lohnt sich. Bei aller tiefsitzenden Verlustverarbeitung ein freundliches Buch über Freundschaft und Scheitern, über Verzagen und Vergebung und Weiterleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare